Durch meine Arbeit als Mediengestalter sensibilisiert, drängt sich mir im Alltag häufig die Frage auf: „Ist das nun echt oder fake?“ So auch die Bewerbung eines Mediengestalters, die meinem Geschäftspartner Heiko vor einiger Zeit in die Hände fiel.
Während das letzte Schul-Zeugnis mit sehr gut und besonderer Auszeichnung glänzen konnte, fiel das Abschluss Zeugnis der IHK allenfalls mittelmäßig aus. Nun mag man denken, dass der Bewerber das in der Theorie Gelernte vielleicht in der Praxis nicht umsetzen konnte. Doch beim zweiten Blick auf das Zeugnis des Schulabschlusses fiel uns auf, das die „sehr gut“ wirklich pixelgenau aussahen, was selbst bei modernster Technik ausgeschlossen sein sollte.
Es scheint so, als wären wir beinahe den Tricks unseres eigenen Berufes zum Opfer gefallen. Zum Glück hat es jemand mit dem Programm Photoshop etwas zu gut gemeint, als dass ich dieses gefälschte Zeugnis für echt hätte halten können. Denn auch das zeichnet eine gute Fälschung aus: Sie darf nicht wie eine Fälschung aussehen. Als Mediengestalter hätte der Bewerber das eigentlich wissen müssen.
Sieht man mal von der Tat der Dokumenten- und Urkundenfälschung ab, bleiben nach längerer Überlegung ein paar Fragen, die ich gerne zur Diskussion freigeben möchte:
- Ist es heutzutage gang und gäbe seine Beurteilung oder Zeugnis zu fälschen, so dass es die Aufgabe des Arbeitgebers ist, diese Dokumente kritisch zu hinterfragen? Oder
- Gibt es eine Art Ehrenkodex unter Mediengestaltern, der die Fälschung von Zeugnis, Bildern, Referenzen etc. für Bewerbungszwecke verbietet?
Würde mich freuen, wenn sich auch Andere zu der Thematik in den Kommentaren äußern würden.
Update: Seit Anfang des Jahres ist die Nachfrage nach den Suchbegriffen Zeugnis fälschen und Zeugnisse fälschen stark gestiegen. Ich hätte es anfangs nicht für möglich gehalten, dass täglich mehr als 20 Personen nach Möglichkeiten oder Programmen zum Fälschen des Zeugnisses suchen. Immer wieder bekomme ich auch Anfragen per E-Mail oder in den Kommentaren, die mich darum bitten, Ihr Zeugnis für einen Betrag X zu fälschen.
Darum möche ich ein für alle mal klarstellen: Ich werde euch nicht euer Zeugnis fälschen!
Es ging mir bei diesem Artikel allein darum, einmal aufzuzeigen, dass wesentlich mehr dazu gehört ein Zeugnis zu fälschen, als in einem Programm wie Photoshop oder Paint Shop Pro einfach ein paar Zahlen wegzuretuschieren und durch bessere Noten zu ersetzen.
Desweiteren sei hier nochmal daran erinnert: Ein Zeugnis zu fälschen ist strafbar und fällt unter die Tat der Dokumenten und Urkundenfälschung. Und ich will ganz ehrlich gesagt nicht wissen, wieviele Jahre man dafür bekommt, sollte der zukünftige Arbeitgeber den Schwindel herausbekommen und mit dem gefälschten Zeugnis zur Polizei marschieren.
Hinweis: Diesen Beitrag schrieb ich ursprünglich für das Erdmania Blog, er passt aber von der Thematik wesentlich besser in mein privates Blog und wurde deswegen überarbeitet und verschoben. Sozusagen eine Neuauflage
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Interessantes Thema!
Ich kann das Fälschen von Zeugnissen gewiss nicht gutheißen, habe es aber auch schon mal gemacht.
Während der Ausbildung waren die Lebensumstände (viel zu zeitig bei den Eltern ausgezogen usw. usw.) nicht immer die Besten, was sich letztendlich auch im Ausbildungszeugnis widerspiegelte.
Mit diesem schlechten Zeugnis hätte ich nirgendwo einen Job bekommen.
Hat ja gerade mal gereicht die Prüfung zu bestehen.
Aus der Not heraus habe ich hier also ein wenig nachgeholfen.
Ich will damit zwar nicht sagen, dass es legitim ist sein Zeugnis zu fälschen, aber was wäre die alternative gewesen?
Aufgrund widriger Lebensumstände vor 10 Jahren bis heute arbeitslos zu sein?
Ehrenkodex? Urkundenfälschung bleibt Urkundenfälschung, und dass das eine Straftat ist, scheint wohl den wenigsten Leuten bewusst zu sein! Außerdem wollen viele heute beglaubigte Kopien sehen! Damit kann man auch eher punkten, als mit offensichtlich gefälschten!
@Martin: Weiß nicht, ob sich besondere Lebensumstände strafmildernd ausgewirkt hätten. Je nachdem wo man vorher gearbeitet hat, geht man natürlich auch das Risko ein, dass der neue, potentielle Arbeitgeber sich mal bei dem alten Arbeitgeber erkundigt und ein paar Eckdaten des Zeugnisses hinterfragt.
@bulldrinker: Na klar ist Urkundenfälschung eine Straftat. Das wird den Meisten schon bewusst gewesen sein. Abgesehen davon ist es aber bei einer Online-Bewerbung eher schwer, diese beglaubigen zu lassen.
Worauf ich aber mit dem Ehrenkodex hinaus will:
Hier verschafft sich ein Bewerber den anderen Bewerbern gegenüber einen Vorteil, indem er seine Photoshop-Kenntnisse dazu nutzt um seine Zeugnisnoten etwas zu verbessern.
Sollte es hier nicht stattdessen heißen: Gleiches Recht für alle und der Bessere bekommt den Job?
Schwierige Frage, auf der einen Seite denke ich nein, da man einem potentiellen Arbeitgeber falsche Tatsachen vorlegt, auf der anderen Seite kann es auch kreativ sein, wenn mann es übertreibt z.B. 1+++!
Kann mich nicht für eine Position entscheiden. Ich selber würde die Entscheidung, mein Zeugnis aufzuhübschen, wahrscheinlich nicht treffen.
Was bei mir eine andere Frage aufwirft: Wie kreativ dürfen Mediengestalter wirklich sein?
ich finde, dass das gar nicht geht. Seine Retouche-Künste sollte man doch besser in anderem Kontext vorführen. Schwierige Lebensumstände hin oder her – ist sowas bei Diebstahl, Schwarzfahren, oder wo auch immer auch ein Argument?
Wobei – ich hab in meinem Berichtsheft rumgefuscht, zählt das auch?
Zur Info:
Derzeit bekomme ich 1-2 Besucher pro Tag über Google Suchanfragen wie „Ausbildungszeugnisse fälschen“ oder „IHK Zeugnis fälschen“
Auch wenn man diese Besucher nicht zwangsläufig dem Beruf des Mediengestalters zuordnen kann, ist es doch erschreckend, wieviele Fälschungswillige bei Google nach Tipps zum Zeugnisse fälschen suchen.
Urkundenfälschung wird natürlich immer verlockender heutzutage, trotzdem bleibt es ein Betrug. Welcher Arbeitgeber möchte denn jemanden einstellen, der schon gelogen hat bevor man sich das erste Mal gesehen hat? Wenn die Lebensumstände zu einer Zeit schlecht sind kann man nur sein Bestes tun und nachträglich versuchen die ULTRAMEGASUPERTOLLSTEN Arbeitsproben zu erstellen die es gibt. Grade bei Mediengestaltern denke ich, dass auch Arbeitsproben einen sehr großen Einfluss auf die Entscheidung des Chefs haben.
Da ich ja auch eine Mediengestalterin bin (wenn auch Bild&Ton) fühle ich mich eingeladen, mich auch zu äußern.
Natürlich verführt das Beherrschen der Bildbearbeitung dazu, sich damit einen Vorteil zu verschaffen…aber wie gewissenlos kann man sein, sich dafür strafbar zu machen! Wir sprechen hier von Urkundenfälschung! Ganz ehrlich, da braucht es keinen Ehrenkodex – da gibt es ganz klare Gesetze!!!
Und wenn man schon so dreist ist, warum dann nicht gleich richtig – so ein IHK-Zeugnis ließe sich ja dann auch fälschen (dann wär`s wenigstens nicht so auffällig).
Im ernst, wenn man so schlechte Zensuren hatte, sollte man das doch lieber ganz offensiv damit umgehen und (wie bereits in den KOMMENTAREN geschrieben) tolle Arbeitsproben abliefern und so zeigen, was JETZT in einem steckt.
Nach meiner heutigen Erfahrung bin ich der Meinung, dass für die meisten Chefs, gerade in kreativen Berufen, die Zeugnisnoten eher zweitrangig sind (gerade die des Schulabschluss-Zeugnisses).
Ich würde den Bewerber damit konfrontieren aber sicherlich nicht einstellen.
Lustig wäre es vielleicht, noch ein beglaubigtes Zeugnis zu verlangen…mal gucken, was die Person dann so macht!
kann mir einer ein zeugnis schicken bis zum 5.2.2010?
an XXXXXXXXXXXX [vom Autor entfernt]
daten dazu:
Name:Daniel VXXXX [vom Autor entfernt]
Schuhle:84Mittelschuhle/Leipzig
Klasse:9c
Noten:2-3
Klassenleiter:SXXXXX [vom Autor entfernt]
Danke sendet mir eure adresse mit dannschick ich euch 10-20€danke danke danke
denkst du dass das wirklich so viel sinn macht wenn du nichtmal schule richtig schreiben kannst? welche du immerhin schon seit 9 jahren besuchst^^
[...] man mit Photoshop nicht nur etwas die überschüssigen Kilos verschwinden lassen, Zeugnisse fälschen oder neue Tierarten entstehen lassen kann, ist wohl fast jedem mittlerweile klar, und doch müssen [...]
lustig
aber ich bin durch “mediengestalter abschlusszeugnis” auf deine seite gekommen ^^