Auf der Suche nach Einzigartigkeit

Wie Blogazines Abwechslung in den Blogdesign-Einheitsbrei bringen könnten.

Als Digital Native ist es für mich fast schon selbstverständlich geworden, meine Gedanken & Ideen im eigenen Blog mitzuteilen. Dabei hat es mich als Webdesigner immer gestört, dass Blogs „irgendwie alle gleich aussehen“ und so wenig gute Ideen von den liebevoll durchgestalteten Magazinen und Zeitungen übernommen werden.

Lange Zeit stand ich als Blogger und Webdesigner vor einem Problem: Der Entwurf für mein Blog war gerade erst umgesetzt, die ersten Artikel voller Motivation geschrieben und das Feedback für das gelungene Design eingeheimst, da kribbelte es mir auch schon wieder unter den Fingernägeln. Zu viele neue Eindrücke hatte ich auf anderen Websites gesammelt, zu viele neue Ideen warteten darauf, in Kundenprojekten, oder – falls gerade kein passendes Projekt zur Hand war – auf dem eigenen Blog umgesetzt zu werden.

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Wenn jeder Blogartikel ein Unikat ist:
Blogazines reizen die derzeitigen Möglichkeiten von (X)HTML & CSS aus und geben jedem Blogartikel ein ganz individuelles Layout, ähnlich wie man es aus Printmagazinen gewohnt ist.

Gleichzeitig schien es mir so, als wäre jedes Blog-Design einer gewissen Abnutzung unterzogen, d.h. je mehr Artikel ich unter ein und dem selben Design veröffentlichte, desto langweiliger erschien mir der verfasste Artikel und letztendlich auch das gesamte Blogdesign. In ersten Überlegungen kam mir deswegen der Gedanke, die Headline durch zusätzliche Illustrationen anzureichern und für jede Kategorie ein eigenes Design zu entwerfen um so etwas mehr Abwechslung in das sonst eher starre Blogdesign zu bringen. Dies funktionierte recht gut (dank Image Replacement nach der Phark-Methode) allerdings blieb der eigentliche Inhalt weiterhin in einem starren Gerüst.Fortsetzung rechts

Eine Alternative musste
her, auch wenn das bedeuten
würde, dass ich mein Blog nach
einem halben Jahr wieder komplett
umbauen müsste. Glücklicherweise las
ich kurz darauf beim Smashing Magazine
einen interessanten Gastbeitrag von Paddy
Donnelly (Website: I Am Paddy) über „Blogazines“ , der sich nicht nur von dem bisherigen Layout des Smashing Magazine deutlich unterschied, sondern auch wunderbar herausstellte, was ein Blogazine von einem klassischen Blogartikel unterscheidet.

The death of the boring blog post? » Smashing Magazine

In diesem Artikel wurden eine Vielzahl von Webdesignern gewürdigt, die sich längst nicht mehr nur dem Inhalt Ihrer Blogposts verschrieben hatten, sondern genauso der ansprechenden Gestaltung der Artikel wie man es aus Magazinen kennt. Was wäre schließlich ein Magazin, in dem jeder Artikel wie der andere aussieht? Genau, langweilig. Das sogenannte „Blogazine“, eine Mischung aus Blog und Magazin war geboren.

Dabei ist es kein Zufall, dass die Aufmachung der Blogartikel immer mehr an die Verwandten in Druckform erinnert. Große Headlines und Bilder stellen die bisherige „Safe-Area“ im Web, also den sichtbaren Bereich auf einem durchschnittlichen Bildschirm, in Frage indem eben nicht mehr krampfhaft versucht wird alle wichtigen Informationen innerhalb dieses Bereiches zu platzieren (s.a. Life below 600px). Die kolumnenweise Darstellung der Inhalte ist da schon eine weitaus größere Herausforderung, da HTML und CSS bisher nicht die Möglichkeiten bieten, die man als Designer aus InDesign oder Quark kennt. Außerdem muss man ja noch die Browserkompatibilität im Auge behalten, damit das Layout zumindest in einem Großteil der aktuellen Browser korrekt dargestellt wird.

Und dennoch sind mittlerweile ein paar Webdesigner und Grafikdesigner bereit, diese Kompromisse einzugehen und schaffen damit teilweise wahre Kunstwerke des modernen Webdesigns. Die Grenzen, wie wir sie bisher zwischen Web und Print gezogen haben, scheinen immer mehr zu verschwimmen.

Nachfolgend zwei Designer, die nicht nur die Szene entscheidend geprägt haben oder wie Smashing Magazine es nennt, wahre Pioniere der Blogazines sind, sondern auch für mich wahre Vorbilder in puncto Artikel-Design:

Jason Santa Maria


Auf Jasons Seite bin ich bereits lange Zeit vor dem Artikel im Smashing Magazine gestoßen, nur hatte ich damals weder von dem Begriff Blogazine gehört, noch wusste ich, dass die Artikel bei ihm so sorgfältig aufbereitet werden. Begeistert bin ich auch von der Fülle der Artikel, denn eigentlich sollte man meinen, dass bei dieser Mühe, die er sich für nahezu jeden Artikel gibt, Jason pro Monat nicht mehr als 1 Artikel veröffentlichen könnte. Und doch sind seit Juni 2008 viele lesenswerte Artikeln entstanden.

Dustin Curtis

Ein weiteres Blogazine
Im selben Atemzug wie Jason Santa Maria sollte man auch Dustin Curtis nennen, der es ebenfalls bestens versteht, Webinhalte im Magazin Blogazine-Stil zu präsentieren. Was mir bei Dustin Curtis noch besser gefällt ist die Tatsache, dass wirklich jeder Artikel ein eigenes Design bekommt. Es gibt, anders als bei Jason also scheinbar kein „Fallback“ (ein Standard-Design) auf das Dustin für kürzere, schnellere Artikel zurückgreift, sondern wirklich jeder Artikel bekommt seine ganz eigene Gestaltung.

Die Nachteile eines Blogazines

Natürlich haben auch die Blogazines Ihre Schattenseiten, die ich an dieser Stelle nicht unerwähnt lassen will.

Da WordPress von Haus aus eine Zweckentfremdung als Blogazine nicht vorsieht, müssen ein Vielzahl an Änderungen an dem bestehenden WordPress-Template vorgenommen werden. Gute HTML-, CSS- und ansatzweise auch PHP-Kenntnisse sind hier notwendig damit der Umbau nicht in einem Desaster endet. Hier nur ein paar Änderungen, die ich am Template vorgenommen habe:

  • Alle überflüssigen DIV-Container, inkl. Header und Sidebar habe ich entfernt
  • Einrichtung einer Funktion zur Übernahme von benutzerdefinierten Feldern als Inline-Stylesheets
  • Kalkulation von Schriftgröße, Zeilenabstand und Abständen allgemein (von Absatz zu Absatz, Absatz zu Bildern, Spaltenbreite & -abstand usw.)Fortsetzung rechts

Außerdem haben Blogazine-Betreiber mit ein paar Problemen zu kämpfen, die nicht technischer Natur sind. Dazu gehört wie in dem Beitrag von Lennart Prange Blogazines – interessant, ansprechend und anders erwähnt die Gefahr, dass Blogazines mehr angeschaut als gelesen werden, da der Inhalt eigentlich nur noch zweitrangig ist.

Blogazines aus Deutschland

Auch hierzulande gibt es bereits ein paar gutgestaltete Blogartikel, die man sich unbedingt mal ansehen sollte:

Grundsätzlich richtig, allerdings sollte man auch hier sehen unter welchem Aspekt der Artikel besucht wird. Ein Besucher, der einem Link zu einem schicken Design gefolgt ist, wird den Artikel mit anderen Augen sehen, als ein Besucher, der aufgrund des Inhalts zu dem Artikel gekommen ist. Genauso kennen wir es als Webdesigner von Webseiten, die man sowohl inhaltlich als auch unter gestalterischen Aspekten unter die Lupe nehmen kann.

FAZIT:
Ich denke, das Ziel eines guten Blogazines sollte sein, gute Inhalte in einer ansprechenden Form zu präsentieren. Ein zweispaltiges Design wird dabei ebenso wenig das Allheilmittel sein, wie große Headlines und eindrucksvolle Bilder. Aber allein die Tatsache, dass ich von nun an die Freiheit habe, zu entscheiden, wie ein Blogartikel in meinen Augen am Besten präsentiert wird, eröffnet mir ganz neue Möglichkeiten.

Trotz ausführlicheren Tests kann es dennoch vorkommen, dass sich der ein oder andere Fehler eingeschlichen hat. Wenn ihr also einen Fehler in eurem Browser feststellt, würde ich mich freuen, wenn ihr diesen Fehler samt Browserversion in den Kommentaren postet oder mir kurz ne Mail schreibt. Besten Dank!