5 Kundenaussagen, die wir Webdesigner in Zukunft nicht mehr hören wollen

Kurz vorweg: Mit einem Großteil meiner Kunden bin ich hochzufrieden, denn sie haben die klassische Rollenverteilung zwischen ihnen und mir, dem Webdesigner, verstanden. Diese Kunden wissen, wo Ihre und meine Kompetenzen liegen. Sie wissen, an welchen Stellen ihre Kritik angebracht und sogar erwünscht ist und an welchen Stellen sie besser auf mein Fachwissen vertrauen sollten.

Es gibt aber auch Kunden, die einem gewissen Kontroll- und Do-It-Yourself-Zwang unterlegen sind. Und so ist es auch kaum verwunderlich, dass diese Aussagen fast ausschließlich von Kunden kommen, die man als Webdesigner als „schwierige Kunden“ bezeichnen würde. Vielleicht nimmt sich ja der ein oder andere „schwierige Kunde“ diese Liste zu herzen, vielleicht hilft sie aber auch nur ein paar Webdesignern, die mit ähnlichen Problemen zu kämpfen haben.

1. Das Logo muss größer!

Es scheint fast so, als stünde die Größe des Logos in direktem Zusammenhang mit der Größe und Qualität eines Unternehmens,  beziehungsweise mit dem Erinnerungsvermögen des Kunden. Doch was allgemein in der Welt der Werbemittel gemacht wird (Logo so groß wie möglich), gilt noch lange nicht fürs Web. Eine Website ist eben keine Einkaufstüte und muss deswegen auch nicht mit einem überdimensionalen Logo versehen werden, es sei denn, der Kunde möchte, dass man seine Website auch noch aus 20 Metern erkennen kann, selbst wenn der Bildschirm einige Falten wirft die Sonne ungünstig auf den Monitor scheint.

Umgekehrt scheint im Web sogar zu gelten: Je größer das Logo, desto kleiner das Unternehmen bzw. desto kleiner das Werbebudget.

2. Der Köder soll dem Fisch schmecken & nicht dem Angler!

Wenn ein Kunde dies sagt, dann sieht er sich gerne als den Fisch und uns Webdesigner als den Angler.
Soll heißen: Meine Website soll in allererster Linie mir gefallen und mich repräsentieren.
Das ist zwar grundsätzlich wünschenswert, aber genau genommen zweitrangig. Denn eine Website, die dem Kunden gefällt, muss noch lange nicht der Zielgruppe gefallen. Die Aufgabe eines Webdesigners sollte dementsprechend sein, die Zielgruppe richtig zu erkennen und diese mit den verfügbaren Mitteln und Standards anszusprechen, auch wenn das im Extremfall heißt, dass der Kunde nicht in seine eigene Zielgruppe passt.

3. Ich hab da schon genaue Vorstellungen bzw. Ich hab Ihnen da mal was aufgemalt!

Der Klassiker unter den Kundenaussagen. Denn je genauer die Vorstellungen sind, desto größer die Enttäuschung, wenn der Entwurf nicht so aussieht, wie das Bild, dass der Kunde im Kopf hat. Zudem wird dadurch auch der Freiraum des Webdesigners wesentlich eingeschräntk. Bei dem ein oder anderen Kunden wird man vielleicht nochmal den Versuch unternehmen, Ihn von neuen Ideen, Methoden und Techniken zu überzeugen, aber spätestens wenn im Kundengespräch Aussage 4 zur Sprache kommt, muss man diesen Kunden als „verloren“ bezeichnen.

4. Ich hab das (aber) mal Bekannten & Freunden gezeigt! Die waren auch ganz begeistert von meiner Idee.

Aus eigener Erfahrung kann ich jedem Unternehmer oder Selbstständigen nur raten: Tut das nicht!

Freunde, Bekannte und Verwandte sagen einem in den meisten Fällen genau das, was man von ihnen hören will, nämlich das es toll ist. Ob aus Begeisterung, weil sie einfach alles toll finden, was man so macht, oder weil sie einen nicht verletzen wollen (dabei sind die besten Freunde doch eigentlich die, die einem ehrlich die Meinung sagen).

5. In meinem Bekanntenkreis kenn ich da niemanden!

Diesen Satz höre ich glücklicherweise nicht ganz so häufig, aber in dem ein oder anderen Kundengespräch kommt er dennoch vor. Gerade wenn es um die Kompatibilät der Website geht, gibt es  eine Vielzahl von Kunden, die sich wünschen würden, dass Ihre Website gerade auf ihrem System gut aussieht. Da wird dann der 17″ Notebook-Bildschirm schnell mal zum Standard erklärt und gefordert, die Seite auf eine Bildschirmbreite von mindestens 1280 Pixel zu optimieren.

Der Einwand, dass derzeit immernoch für 1024 Pixel optimiert wird, weil es eben die größtmögliche Schnittmenge an Benutzern bequem ansehen kann, wird abgeschmettert mit der Aussage, dass der Kunde im Bekanntenkreis wirklich niemanden kenne, der noch einen altes 4:3 Notebook besäße, dass mit einer Auflösung von 1024 x 768 Pixel arbeite.

Aber was ist mit der steigenden Zahl der Netbooks, deren momentane Auflösung größtenteils noch bei 1024 x 600 Pixeln liegt? Was ist mit neuen Produkten, wie etwa Tablet-PCs, über deren Auflösung wir derzeit noch nicht viel sagen können?

Auch wenn der Bekanntenkreis noch so groß sein mag und sich vielleicht ein gewisser Trend erkennen lässt, so würde ich doch immer auch eine Statistik zur durchschnittlichen Bildschirmauflösung zu Rate ziehen. Dann stellt man vielleicht auch fest, dass man die 10-20% der Seitenbesucher mit einer 1024er Auflösung nicht missen möchte.

Ich bin Steuermann bei Erdmann & Freunde, einem Netzwerk für Contao-Webworker, und schreibe hier über Themen aus dem Bereich Webdesign und Webentwicklung.

9 Kommentare

  1. Christopher says:

    Danke Dennis,

    ich bin zwar kein Webdesigner, aber die Punkte ließen mich schmunzeln.

    Viele Grüße
    Christopher

  2. Marko Röper says:

    Was mir persönlich auch gut gefällt ist:

    „Das kann doch sogar mein Neffe.“ Speziell in Diskussionen, ob man denn für „das bisschen HTML“ überhaupt jemanden zu engagieren brauch.

    Und ganz toll sind auch immer Aussagen der Art:
    – „Die Überschrift bitte etwas größer!“
    – „Den Hintergrund etwas dunkler bitte.“
    – „Den Link nicht ganz so fett.“
    – „Könnnen Sie da mehr Abstand hinzufügen?“

    Wie gerne würde ich da stets antworten:
    – „Überschrift etwas größer gemacht.“ (+1px 😉 )
    – „Hintergrund etwas dunkler gemacht.“ (aus #555 ein #444 gemacht)

    Der eMail Verkehr findet mit dieser WischiWaschiWünscherei nie ein Ende und wenn doch, nimmt man dann meist die Einstellung wie vor allen Änderungen schon dagewesen ist.

    Oder in einem Satz: „Kunden wissen ganz genau, was sie NICHT wollen!“

    Grüße…
    Marko

  3. Andi says:

    Da ist ech sehr viel Wares dran.
    Auch immer sehr nett sind Aussagen wie:
    „Der Nachbar eines Freundes hat da einen Hund und der macht ganz tolle und günstige Webseiten an seiner Schreibmaschine mit Word“

  4. Mike says:

    Oh wie war! Guter Beitrag. Kann ich nur unterstreichen.

    Greets Mike

  5. Mawin says:

    Großartig geschrieben. Kenne einige Punkte auch von einigen meiner Kunden. 😉

  6. Max says:

    Sehr guter Artikel, der vielen Webdesignern aus dem Herzen spricht!

  7. Karin says:

    Ich kann da nur beipflichten. Wirklich sehr gut. Spricht auch mir aus dem Herzen!

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