Bye Bye Google

Nach längerem Überlegen habe ich heute Google den Laufpass gegeben. Na gut, nicht so richtig. Aber immerhin habe ich heute Google Analytics aus meiner Website entfernt und durch das selbstgehostete Statistik-Tool Piwik ersetzt. Das Amüsante: Vor ziemlich genau 5 Jahren, hatte ich schon mal einen solchen Artikel geschrieben. Damals noch in meinem ersten Blog.

5 Jahre später nun also der erneute Abschied. Hoffentlich für immer. Auch wenn es sicherlich Tausend gute Gründe gibt, warum man auf Google Analytics verzichten sollte, gab es für mich vor allem 3 Gründe:

  1. Ich bin in letzter Zeit immer weniger daran interessiert, wie viele Besucher mein Blog eigentlich hat. Ich hätte eigentlich auch ganz auf eine Besucherstatistik verzichten können, aber wer weiß was so in 1-2 Jahren ist. Vielleicht kommt der Statistiker dann ja doch wieder in mir hoch.
  2. Google hingegen hat weiterhin das Bestreben, ein möglichst vollständiges Bild seiner Kunden und meiner Besucher zu erzeugen. Warum also sollte ich Daten im Auftrag von Google sammeln, wenn ich selbst kaum einen Nutzen davon habe? Irgendwie scheint mir der Tausch kein fairer zu sein.
  3. Nachdem ich mir neulich wieder bewusst machen musste, wie umständlich es eigentlich ist, Google Analytics wirklich datenschutzkonform einzusetzen und gleichzeitig eine weitere Abmahnwelle wegen fehlerhaftem Einsatz von Google Analytics droht, kicke ich doch lieber Analytics und nutze stattdessen Piwik. Natürlich datenschutzkonform.

Wie sieht es bei euch aus? Nutzt ihr noch Google Analytics und wenn ja, was hält euch davon ab zu wechseln, bzw. darauf zu verzichten? Könnt ihr wirklich von euch behaupten, alle Schritte durchgeführt zu haben, um Google Analytics nach heutigen Datenschutzbestimmungen nutzen zu dürfen?

Ich bin Steuermann bei Erdmann & Freunde, einem Netzwerk für Contao-Webworker, und schreibe hier über Themen aus dem Bereich Webdesign und Webentwicklung.

14 Kommentare

  1. Hinnerk sagt:

    Ich habe das mal grob durchgerechnet und bin auf Kosten von etwa € 500,- pro Monat für den Einsatz einer solchen Software gekommen. Das liegt hauptsächlich daran, dass diese Programme viel Wartung erfordern und diese schwierig zu automatisieren ist.

    Wie gehst Du mit dem Mehraufwand um?

  2. Andreas sagt:

    500€? Die Rechnung würde ich gerne mal sehen.

    Ich halte dagegen und sage das es nicht mal 45€ im Monat ist!

  3. Ümit sagt:

    Der richtige Schritt. Sich aus der Abhängigkeit einer Datenkrake zu befreien und die eigenen Besucher nicht mehr einer Datenkrake auszuliefern, kann nur richtig und gut sein.

  4. Dennis Erdmann sagt:

    @ Hinnerk: Ich bin nicht sicher, ob ich deine Frage richtig verstanden habe. Mehraufwand durch Piwik = 500 Euro pro Monat? Was um Himmels Willen soll diese Kosten verursachen?

  5. Martin sagt:

    Ich glaube, man muss sich mit der Zeit von dem Ansatz verabschieden, Google »aussperren« zu wollen. Wenn nicht über Analytics getrackt wird, dann eben über Google Fonts, Google APIs, Einbindung von Maps oder irgendwelche Codeschnipsel (z.B. zu HTML5). Und wenn nicht darüber, dann eben über Chrome.
    Trotzdem kann ich deinen Ansatz voll verstehen, nicht alle Information »freiwillig« rausrücken zu wollen und vielleicht werde ich es auch irgendwann anfangen »zu bekämpfen«. Vielleicht ist es derzeit einfach Faulheit oder doch das Angebote, das für mich und meine Kunden den einfachsten und effektivsten Weg darstellt.

  6. Daniel sagt:

    @ Martin:
    Aussagen wie deine verstehe ich nicht. Du musst Google doch nicht aussperren. Wer hat dir denn den Floh ins Ohr gesetzt?

    Es ist doch nicht mal ansatzweise schwierig, andere Angebote als die von Google einzusetzen. Es gibt Fontsquirrel, Openstreetmaps, Piwik, Firefox und und und. Ich weiß nicht, wie manche auf die Idee kommen, Google sei unverzichtbar?

    Deine Aussage ist irgendwie so absurd, ich weiß nicht, was ich dazu sagen soll! Wie kommst du nur auf die Idee, Google bekämpfen zu müssen? Setze es ein, wenn du dir Vorteile davon erhoffst. Ansonsten nutze Alternativen. Das ist doch nicht so schwer…

  7. jmk sagt:

    Was Daniel sagt. Derzeit scheint es so zu sein, das Internet auf Google, Amazon und Facebook zu beschränken. Ich habe nicht nur Analytics rausgeschmissen, sogar meinen kompletten Google Account gelöscht. Die Mär, Google wäre unersetzlich erschließt sich mir nicht. Seit Google versucht eine Nutzer zu Google+ umzuleiten und das Netzwerk an allen Stellen zu promoten war bei mir die Grenze erreicht.
    Spätestens die Einstellung des Google Readers zeigte, dass andere Unternehmen den Dienst genausogut, wenn nicht besser handeln können.
    Piwik nutze ich derzeit ebenso, bin mehr als zufrieden, als „zweite Meinung“ läuft noch Statcounter.

  8. dkf2010 sagt:

    Bin schon vor einiger Zeit auf Piwik umgestiegen. Fühlt sich schon besser an, diese Daten unter eigener Kontrolle zu haben.

    @ Hinnerk : Selbst wenn ich für Piwik einen komplett unabhängigen Root-Server miete und einen Linux-Admin beschäftige, der sich 3-4 Stunden im Monat um das System und Piwik kümmert, komme ich nicht auf 500€/Monat.

    Bei Piwik direkt kostet die gehostete Lösung übrigens 4$/Monat. http://piwik.org/hosting/

  9. Martin sagt:

    @Daniel.
    Da versteht mich ja jemand aber gehörig falsch. Der »Floh« kommt von Dennis, der eben Google nicht alle Daten frei rausrücken will, also »bekämpfen möchte« (Nein, nicht zerstören, bekämpfen im Sinne von nicht zu Unterstützen beim Vorhaben ein »möglichst vollständiges Bild seiner Kunden und meiner Besucher zu erzeugen«).

    Was ich eigentlich sagen wollte ist, dass es keinen Sinn macht, nur Analytics nicht mehr zu verwenden, dafür aber — wie hier — html5shiv und jQuery von Google. Dann tracken die halt dort mit. Ich bin »zu faul«, auf das gesamte Angebot von Google nicht zurückzugreifen, weil es einfach gut ist und meine Erfahrungen zeigten, dass es (in allen Bereichen, von der Einbindung von jQuery bis Piwik) Probleme bei Kunden gab.

    Zu meinem »Bekämpfen«: Vielleicht mag ich, so wie Dennis, irgendwann nicht mehr alles frei rausrücken, und suche für alle meine von Google verwendeten Tools eine Alternative. jQuery von jQuery.com einbinden, Maps von Bing, Fonts von Typekit, usw. — heute sehe ich es noch nicht als notwendig, da ich es, wie mein erster Satz sagt, schwachsinnig finde, Google »bekämpfen« oder »ausschließen« zu wollen.

  10. Daniel sagt:

    @ Martin:

    „Was ich eigentlich sagen wollte ist, dass es keinen Sinn macht, nur Analytics nicht mehr zu verwenden, dafür aber — wie hier — html5shiv und jQuery von Google. Dann tracken die halt dort mit.“

    Da hast du Recht.

    „Ich bin »zu faul«, auf das gesamte Angebot von Google nicht zurückzugreifen, weil es einfach gut ist und meine Erfahrungen zeigten, dass es (in allen Bereichen, von der Einbindung von jQuery bis Piwik) Probleme bei Kunden gab.“

    Diese Erfahrungen habe ich so bisher nicht gemacht. Kunden, die nicht nach GA verlangen, aber eine Statistik möchten, bekommen Piwik. Da gab es bisher keine Beschwerden. Auch sonst sind mir keine negativen Auswirkungen bekannt, nur weil ich auf Google verzichte.

    Ich störe mich dennoch an dem Wort „bekämpfen“. Ich assoziiere damit eine aktive Handlung gegen etwas. Nur weil ich auf etwas verzichte, bedeutet das noch lange nicht, etwas zu bekämpfen. Aber das wird jetzt Off Topic.

  11. Dennis sagt:

    @ Martin & Daniel: wenn man den Gedanken etwas weiter spinnt, dass man Google nicht mehr diese Daten „schenken“ will, müsste man in letzter Konsequenz eben auch auf diese Dienste verzichten. Aktuell sind ein paar WordPress Erweiterungen dafür verantwortlich, dass noch so viel von Google kommt. Ließe sich bei Zeiten sicherlich auch mal austauschen und werde ich vielleicht auch irgendwann mal machen. Wie gesagt, geht es mir vor allen Dingen um den Tausch: Daten gegen Nutzen ist okay, aber Daten ohne eigenen Nutzen muss ja nicht unbedingt sein, oder?

  12. WPa sagt:

    Vielen Dank für deine Erläuterungen.
    Wer kann schon behaupten, dass er Datenschutzkonform seine Statistiken über Google erfasst, wenn selbst Gerichte unterschiedlicher Meinung darüber sind, wie das auszusehen hat?
    Ich kann mit Fug und Recht behaupten, dass ich alle Punkte, die mir einschlägige Datenschutzseiten aufzeigen, berücksichtigt habe. Trotzdem habe ich Analytics heute aus dem Quelltext meiner Seiten etfernt.
    Die Frage, die sich mir stellt. geht es den Abmahnendnen nur darum, dass Google die Daten erfasst oder ist eher das allgemeine Erfassen solcher Daten das Problem? Auch wenn sich überwiegend solche Abmahn-Szenarien mit Google Analytics befassen, macht es die Sache an sich auch mit Piwik doch nicht besser, oder?

    Sollte es irgendwann mal ein Gesetz dafür geben, das dieses Thema regelt, werde ich Analyseprogramme wieder einsetzen.19% Umsatzsteuer auf jeden Abmahnposten geben mir aber wenig Hoffnung, dass der Gesetzgeber auch nur im entferntesten ein Interesse daran hat.
    Also werde ich weiter Severlogs auswerten, das geschieht im nämlich im Hintergrund und reicht mir, für meine nicht aus kommerziellen Gründen geführte Seite.

  13. Dennis sagt:

    @WPa:

    „Auch wenn sich überwiegend solche Abmahn-Szenarien mit Google Analytics befassen, macht es die Sache an sich auch mit Piwik doch nicht besser, oder?“

    Als Schleswig-Holsteiner habe ich mittlerweile gelernt, dass das was das ULD SH macht und empfiehlt durchaus wegweisend für Anwälte ist. Deshalb ließ auch dieser Artikel im Piwik Blog alle Piwik-Nutzer erstmal aufatmen. Derzeit müssen Piwik-Nutzer also nicht befürchten ins Visier der Anwälte zu geraten.

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