Home Office

Bis mittags im Bett liegen, ungeduscht und im Schlafanzug vorm Rechner hocken, während ich mich hauptsächlich von Pizza und Cola oder wahlweise Bier ernähre.

So in etwa müssen sich meine Freunde und Bekannten das vorgestellt haben, als ich ihnen erzählte, dass ich ab Juli wieder von zu Hause aus arbeite. Auch ich war mir nicht ganz sicher, wie ich nach 10 Jahren Agenturalltag mit der Umstellung auf ein Home Office zurechtkommen würde. Aber was dann geschah, sollte … ach lassen wir das mit den heftig.co Sensationsstil.

Bereits im Vorfeld haben mir die unterschiedlichsten Personen von ihre Geschichten zum Thema Home Office erzählt. Von Leuten, die wirklich den Tag über im Schlafanzug rumlaufen aber eine Krawatte tragen, wenn sie arbeiten, bis hin zu Leuten, die ihren Kollegen und Chefs vorgaukeln, dass sie arbeiten würden, war wirklich alles dabei. Der Großteil stand dabei dem Home Office eher kritisch gegenüber und gab Yahoo! Chefin Marissa Mayer Recht, dass man im Home Office nicht genug schafft.

Nachdem ich nun mehr als 4 Wochen von zu Hause aus gearbeitet habe, möchte ich euch einen kleinen Einblick geben, wie und warum das Home Office bei mir funktioniert.

Aufstehen

Es stimmt. Die Versuchung ist groß, morgens erstmal in Ruhe bis 9 oder 10 auszuschlafen, um dann topfit in den Tag zu starten. Zwei Gründe bewegen mich aber jeden Morgen dazu, doch früh, also so zwischen 6 und 7 Uhr aufzustehen:

  1. Moe – er erinnert mich jeden Morgen daran, dass ein guter Tag mit einer Hunderunde beginnen sollte
  2. Sport – mit Laufen halte ich mich fit. Das geht bei diesen sommerlichen Temperaturen der letzten Wochen am Besten morgens

Was danach folgt, ist weitaus weniger ritualisiert, aber die letzten 4 Wochen sahen in etwa so aus, dass ich duschte und frühstückte und mich dann ganz gemütlich mit einer Tasse Kaffee auf die Couch zu setzen, um Twitter und meinen RSS-Feed zu checken. Erst danach, ab ca. 9 Uhr, schalte ich den Rechner ein und checke meine Mails.

Auch meine eigentliche Arbeit folgt (zwangsläufig) einer gewissen Struktur und ist weniger chaotisch, als man von Jemandem, der im  Home Office arbeitet, erwarten würde.

Arbeiten

Dadurch, dass ich nicht mehr zwischen zu Hause und Büro pendle, spare ich jeden Tag etwa 40 Minuten. Das gab mir, zumindest in der ersten Zeit, ein gutes Gefühl und ließ mich ein bisschen entspannter in den Tag starten.

Was meine Arbeitsorganisation betrifft, so setze ich weiterhin auf die Projektmanagement-Software Basecamp. Meine Aufgaben für den nächsten Tag lege ich spätestens am Vortrag, häufig sogar einige Tage zuvor fest. So kann ich besser meinen Tag planen und weiß an welchen Tagen ich etwas mehr tun muss, aber auch an welchen Tagen ich es etwas ruhiger angehen lassen kann. Außerdem denke dadurch weniger in Stunden und mehr in Aufgaben, die ich an einem Tag schaffen will. Was nicht bedeutet, dass Stunden egal wären. Die Zeiterfassung läuft weiterhin fleißig mit.

Pausen

So wie Moe mich morgens dazu zwingt, aufzustehen, fordert er auch gegen 13 Uhr seine Mittagsrunde ein. Und das ist gut so. Oftmals gehen wir mittags für 30 – 60 Minuten an den Strand, auf die Wiese oder durch die Nachbarschaft. Auch wenn ich Moe früher immer mit ins Büro nehmen konnte, man merkt, dass auch ihm das Home Office sehr gut tut.

Eine kluge Frau meinte einmal zu mir, dass Hunde das beste Mittel gegen Überarbeitung und Burnout sind. Ich glaube, sie hat nicht ganz unrecht. Wenn ich jetzt aus der Pause komme, dann bin ich wirklich tiefenentspannt.

Über den Tag verteilt mache ich außerdem noch ein paar kleinere Pausen, in denen ich Twitter, Facebook und die Nachrichten checke oder aber – und das ist ein Vorteil des Home Offices – etwas im Haushalt mache. Trotzdem habe ich das Gefühl, am Ende des Tages deutlich mehr geschafft zu haben, als früher. Selbst wenn ich keine 9 Stunden gearbeitet habe.

Feierabend, Freizeit und Freiheit

Feierabend?! Ich gebe es zu, einen Nachteil muss das Home Office auch haben. Dadurch, dass mein Home Office immer in Sichtweite ist, ist es nicht mehr so leicht wie früher, sich von der Arbeit loszureißen. Mein langfristiges Ziel ist es, um 17 Uhr Feierabend zu machen. Derzeit ist es noch eher 18 bis 19 Uhr, dafür gehe ich im Normalfall aber am Freitag gegen 14 Uhr ins Wochenende.

Bisher unterscheidet sich mein Home-Office-Alltag gar nicht so sehr von einem durchschnittlichen Büroalltag, oder? Das Gute ist jedoch, dass ein Home Office eben auch eine Hand voller Vorteile bietet, zum Beispiel bei der Zeiteinteilung. Früher war es oft so, dass ich (private) Termine um meine Arbeit gelegt habe. Nun mache ich es nun genau umgekehrt: Ich arbeite so, wie es meine Freizeit zulässt. Und wenn es draußen 30 Grad sind und der Hund und ich Lust haben, mittags für 2-3 Stunden schwimmen zu gehen, dann arbeite ich abends eben die Zeit nach. In der Mittagszeit, wenn die Supermärkte beinahe leer sind, den Einkauf erledigen? Auch kein Problem. Das Home Office schenkt mir diese neue Freiheit.

Mein Fazit

Auch wenn ich es erst seit knapp einem Monat nutze, das Home Office funktioniert für mich bisher sehr gut. Durch die vielen Routinen fällt es mir nicht besonders schwer, früh aufzustehen oder zu den richtigen Zeiten Pause zu machen. Auch ist der Faktor Selbstständigkeit sicherlich eine besondere Motivation genug zu arbeiten — gerade in den ersten Wochen und Monaten.

Ich weiß, ein paar meiner hier aufgeführten Argumente für oder gegen das Home Office sind nur bedingt übertragbar. Ob jemand von zu Hause aus arbeiten kann, ist sicherlich irgendwie eine Typsache. Wer aber gut alleine arbeiten kann und trotzdem meint, nicht im Home Office arbeiten zu können, dem fehlt vielleicht einfach der nötige Ehrgeiz bzw. Anreiz. Mehr Zeit für die Familie, der tolle Ausblick in den Garten oder einfach nur die Tatsache, dass man sich den Stress im Pendelverkehr spart, können solche Anreize sein.

Ganz zu Anfang sprach ich noch davon, dass ich mir im Herbst ein kleines Büro suchen würde, vielleicht in einem Co-Working-Space. Momentan habe ich nicht das Gefühl wirklich einen solchen Platz wirklich zu brauchen. Durch meine Projekte bin ich schon 1-2 Mal die Woche bei Kunden oder Projektpartnern. Zusätzlich nutze ich beinahe täglich FaceTime, um mich mit meinen Kollegen auszutauschen. Und sollte mir doch mal die Decke auf den Kopf fallen, schnappe ich mir einfach mein Macbook und setze mich in ein Café am Strand.

Ich bin Steuermann bei Erdmann & Freunde, einem Netzwerk für Contao-Webworker, und schreibe hier über Themen aus dem Bereich Webdesign und Webentwicklung.

4 Kommentare

  1. Philipp says:

    Oh wie ich das wenigstens auch an zwei Tagen der Woche so gern machen würde.
    Ich muss jeden Tag von Neumünster nach Itzehoe Pendeln, was nicht nur pro Strecke 54 Kilometer, also ca. 100 Kilometer/Tag für mich bedeuten. Nein, es sind auch ca. 90 Minuten/Tag, die ich weniger Zeit für mich und meine Familie habe.

    Ich würde gar nicht mal ein komplettes Home Office mir wünschen, denn es ist auch ganz gut, den Kontakt zu den netten Kollegen und auch zum Chef zu haben.

    Aber wenn man mir zwei Tage Pendeln so schenken würde, wäre das eine riesen Gehaltserhöhung für mich, die dem Arbeitgeber nichts kosten würde.

    Aber da will er sich nicht drauf einlassen. Kontrollverlust?
    „Dann würde auch Andere das wollen …“ etc.

    Man kann nicht Alles haben 😉

    Gruß
    Philipp

  2. Uli says:

    Ich mache es ähnlich wie Philipp, nur das ich von der Ostseeküste neun Monate im Jahr nach Neumünster pendele. Die restlichen drei Monate sind dem theoretischen Urlaub geschuldet und gelten zum anderen Teil als vorlesungsfreie Zeit, in der ich meinen Tag planen kann, wie mir es passt.

    Das ist wichtig, denn ich agiere derzeit in drei Jobs. Für zwei Dozenten-Tätigkeiten bin ich eigentlich sieben Tage in der Woche theoretisch und praktisch buchbar. Auch ohne Homeoffice würde hier nichts funktionieren.

    Das dritte Abenteuer wird langsam aber stetig das werden, wovon ich stets träume: aufstehen, auf der Couch den ersten Tee oder Kaffee des Tages trinken und mich an die Arbeit begeben. Wie in diesen Tagen. Offiziell habe ich kein Urlaub, aber vorlesungsfreie Zeit. Ich Teile den Tag ein, wie ich ihn brauche.
    Dennis hat es gut beschrieben: ich plane in diesen Wochen die Arbeit um meine Freizeit- und Haushaltsinteressen. Work-Life-Balance, die funktioniert. Genau das lässt bei mir eine gewisse Selbstdisziplin erwachsen.

    Ich habe jetzt gefrühstückt, das iPad „gelesen“und nun geht es erstmal los mit der Korrektur von Abschlussklausuren. Danach widme ich mich meinem eigenen Arbeitgeber, mich selbst. Ich bin dabei die Inhalte meines Webangebotes
    http://www.foodweb.de zu überarbeiten und die Grundgedanken zur Ausbaustufe 1 zu formulieren.

    Da diesen Sommer die Sonne nun in der neunten Woche vom Himmel brennt, werde ich jetzt die Waschmaschine ausräumen und die Wäsche zum Trocknen in die Sonne hängen. Der Südwestwind ist schon leicht herbstlich und läutet den Spätsommer ein. Gegen Mittag werde ich mich zum Strand bewegen und gucken, ob die Touristen so entspannt sind wie ich.

    Ich beneide Dennis darum, das jeden Tag tun zu können.
    Das ist das Plus an Lebensqualität, das er sich für jeden Tag ermöglicht hat.

    Herzliche Grüße aus Scharbeutz,
    Uli

  3. Martin says:

    Moin Dennis,

    ich verbringe nun schon seit mehr als einem Jahr die meiste Zeit im Home-Office. Zwar fahre ich ein bis zwei Mal die Woche nach Lübeck ins Büro bzw. habe Kundentermine, aber ich möchte die (von dir beschriebenen) Vorteile nicht mehr missen.

    Natürlich muss es auch Nachteile geben, aber die gibt es eben auch im Büro. Und wir als „Hundemenschen“wissen daher eben viel mehr die Vorteile zu schätzen!

    In einem Punkt kann ich dir aber leider (noch) nicht zustimmen – aber das ist halt tatsächlich Typ-abhängig: So sehr ich mir das immer vornehme, auch einmal ein paar Stunden im Café oder am Strand zu arbeiten – irgendwie mache ich es dann doch nicht. Warum, kann ich allerdings gar nicht sagen 😉

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