Ist Deutschland bereit für „Afroamerikaner“?

Etwas überrascht über eine Diskussion, die wir letzte Woche bei SOLADES führten, frage ich heute mal in die Runde: Darf man auf einer deutschen Website auch nicht „europäisch“ bzw. „deutsch“-aussehende Personen zeigen? Und welches Risiko geht man ein, wenn man dunkelhäutige oder asiatisch aussehende Frauen auf der Website verwendet?

Aber der Reihe nach: Vor Kurzem ist eine neue Landingpage von uns für die Erstellung von Facebook-Fanpages online gegangen. Mit von der Partie auch Isabella, die stolz Ihre Facebook Fanpage in die Kamera hält.

Doch als wir uns in der Runde das fertige Layout ansahen, kam der entscheidende Einwand: „Ihr wisst, ich hab nichts gegen Ausländer, aber kann man in Deutschland tatsächlich mit einer Schwarzen werben?“

Ich hatte mich zu diesem Zeitpunkt schon sehr gut mit Isabella, die ein kleines Café besitzt und die über Facebook Ihre Fans auf Sonderaktionen aufmerksam macht, angefreundet und dachte zunächst, dass wir auf ausländerfeindliche Kunden gerne verzichten könnten. Doch es gab noch einen anderen Grund, der gegen Isabella sprechen könnte: Isabellas Geschichte klingt ein bisschen nach Hollywood. Junge, hübsche Frau schafft es trotz ihrer Herkunft ihren Traum von einem eigenen Café zu verwirklichen. Waren wir vielleicht in die Klischee-Falle gelaufen und erzählten hier eine Geschichte, wie sie in dutzenden Filmen bereits zu sehen war?

Trotz Zweifel haben wir uns letztendlich doch dazu entschieden, Isabella für die Landingpage zu nehmen. Doch ein leichter Beigeschmack bleibt. Was meint ihr? Können nur „Weiße“ in der deutschen Werbelandschaft wirklich überzeugen? Über Kommentare würde ich mich freuen.

Ich bin Steuermann bei Erdmann & Freunde, einem Netzwerk für Contao-Webworker, und schreibe hier über Themen aus dem Bereich Webdesign und Webentwicklung.

Ein Kommentar

  1. Carsten sagt:

    Ich denke es kommt immer etwas auf die Branche und die Zielgruppe an.

    Zum Einen wundere ich mich immer über Prospekte und Webseitenfotos, auf denen junge, smarte Vertriebsprofis und Manager(innen) in Maßanzug bzw. -kostüm abgebildet werden. Wenn man dann sieht, dass es sich um eine Maschinenbaufabrik aus dem Schwarzwald oder einen Versicherungsvertrieb handelt, hat man direkt das Gefühl „da war eine Agentur dran: in der ersten Auswahl wurden dem Webdesigner nur Personen mit asiatischen gesichtszügen oder dunkler hautfarbe eingeblendet – also hat er direkt so eins genommen. Das war weniger Arbeit und im beauftragenden Unternehmen schaut sich das soweiso niemend an“.

    Auf der anderen Seite muss man in Branchen wie Mode, Parfum, Lifestyle in den aktuellen Kampagnen ja gerade nach Menschn suchen, die auch nur halbwegs mitteleuropäisch aussehen. Das ist eben exotisch. Ebenso beobachte ich bei privaten Bekannten (Chinesen), dass die alles cool und hip finden, was wir Langnasen mache und tragen. Da sind wir exotisch.

    Meine Meinung zu Deiner Frage bzgl. Isabella: Hier handelt es sich nicht um irgendein Model, dass keinerlei Bezug zum Produkt hat. Im Gegenteil, wer sie im Web sieht und hinterher auch in ihrem Laden, wird positiv überrascht sein.
    Sie, ihr Name und ihr Cafe ist das Produkt und das kann sie bestens repräsentieren.

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