Meine Ausbildung zum Webdesigner

Als ich damals nach dem Abitur auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz war, wusste ich zwar ganz genau was ich machen wollte, nur die genaue Bezeichnung des Ausbildungsberufes konnte ich partout nicht finden. Schließlich laß ich bei keiner Werbeagentur, dass sie eine Ausbildung zum Webdesigner anbieten würde. Stattdessen gab es höchstens Stellen für den Werbekaufmann oder den diplomierten Grafikdesigner zu besetzen. Da ein Studium aus eigener Faulheit für mich nicht in Frage kam, hatte ich meinen Traumberuf fast schon abgehakt, hätte ich nicht per Zufall von dem Beruf des Mediengestalters für Digital- und Printmedien gehört.

Da ich den Weg bis zum richtigen Ausbildungsberuf für Webdesigner nur mit Mühe und Not fand, möchte ich zukünftigen, angehenden Webdesignern den Weg etwas erleichtern, indem ich einfach mal niederschreibe wie ich zu meinem Traumberuf des selbstständigen Webdesigner und Webentwicklers gekommen bin.

Ein paar Basisinfos:

Die Ausbildung des Mediengestalters für Digital- und Printmedien oder wie er heute heißt Mediengestalter Digital und Print (Ausbildungsverordnung 2007) dauert in der Regel 3 Jahre und ist sowohl eine schulische als auch praktische Ausbildung im Betrieb. Der schulische Teil kann sowohl im wöchentlichen Rhythmus als auch blockweise alle paar Monate stattfinden. Mit den richtigen Noten kann die Ausbildung auch um ein halbes Jahr verkürzt werden, ebenso ist es möglich bei entsprechenden Vorkenntnissen im zweiten Lehrjahr einzusteigen.

Da die Ausbildung vorsieht, dass sowohl Printer als auch Non-Printer gemeinsam die Grundgesetze der Gestaltung, Wirkung von Farben uvm. lernen, lernt man gerade im schulischen Teil eine Menge Dinge, die man so später vielleicht als Webdesigner nie wieder brauchen wird (z.B. wie Papier hergestellt wird oder wie ein Scanner funktioniert). Dementsprechend wenig lernt man leider auch über den Non-Print- bzw. Digitalbereich. Während meiner Ausbildung war es sogar so, dass wir im FachWebdesign gerade einmal die Grundlagen von HTML kennenlernten und für die Gestaltung ein völlig veraltetes Tabellenlayout benutzten. Dann noch ein bisschen Photoshop und mit diesen wenigen Kenntnissen soll ein Mediengestalter zumindest von schulischer Seite aus dann in die große Webdesign Welt entlassen werden. Vielleicht ist es ja auch nur ein Problem an meiner Berufschule gewesen, dass die Lehrerschaft vornehmlich aus ehemaligen Druckern bestand, die sich höchstens in Ihrer Freizeit mal mit dem Thema Webdesign auseinandersetzen konnten, aber wenn ich mir so das Kompendium der Mediengestaltung ansehe, frage ich mich ernsthaft woher dieses Fachwissen kommen sollte.

Ist der Beruf Mediengestalter also der falsche Weg um eine Ausbildung zum Webdesigner zu machen?

Wie bei vielen Ausbildungsberufen kommt es wohl auch bei dieser Ausbildung ganz darauf an, in was für einem Betrieb man seine praktischen Erfahrungen macht. Ich habe in meinem Betrieb zwar weniger Kollegen gehabt, die mir die Grundlagen von XHTML und CSS hätten zeigen können, aber dafür gab es zumindest ein paar Projekte, in die ich mich soweit reinarbeiten durfte, dass ich auch Zeit hatte, die Basics zu lernen.

Ohne meinem Ausbildungsbetrieb einen Vorwurf daraus zu machen, muss ich allerdings gestehen, dass ich mein heutiges Wissen über Webdesign zu über 90% aus meiner Selbstständigkeit gewonnen habe und ich mir heute wünsche, ich hätte solche praktischen Techniken wie RSS-Feeds und Twitter schon früher genutzt oder nutzen können. Auch deswegen bin ich erst sehr spät mit Webstandards und den Problemen der unterschiedlichen Darstellung im Browsern in Berührung gekommen.

Und dennoch kann für diejenigen, die eine Ausbildung zum Webdesigner in Erwägung ziehen, die Ausbildung zum Mediengestalter der richtige Weg sein. Studenten mit ähnlichen Schwerpunkten berichteten mir häufig davon, dass ihr Studiengang viel zu häufig an der Oberfläche kratze und die richtige Einarbeitung in eine Thematik wie PHP und Javascript immernoch die eigene Aufgabe ist.

Was muss man für den Beruf des Webdesigners mitbringen?

Wer eine Ausbildung zum Webdesigner anstrebt, der sollte sich von vorne rein bewusst sein, dass er, mal abgesehen von den Kundengesprächen, die meiste Zeit vor dem Computer verbringt. Aber Webdesign bedeutet mehr, als nur in Photoshop ein paar Entwürfe zurechtzuschieben.

Als Webdesigner sollten man:

  • ein Auge für Formen und Farben haben
  • eine Vorliebe für Zahlen haben, da ein Layout viel mit Berechnung zu tun hat(Grid-System, Monitorauflösungen uvm.)
  • stets bereit sein, sich in seiner Freizeit fortzubilden, denn die Trends im Webdesign ändern sich oft quartalsweise
  • offen für neue Techniken und Services sein.

Wenn du meinst all dies leisten zu können, dann wird dir die Ausbildung zum Webdesigner über den Ausbildungsberuf Mediengestalter mit Sicherheit Spaß machen.