Müde von Facebook

Ziemlich genervt habe ich die Entwicklungen der letzten Monate bei Facebook beobachtet. Technische Änderungen, aber auch das Verhalten meiner Freunde hat sich in vielen Bereichen verändert. Deswegen werde ich mich von dem beliebtesten Social Network zurückziehen. Und gibt es einen besseren Zeitpunkt, als dies am Jahresende zu tun? 

„Bist du doof?“, werden jetzt die Einen sagen. „Habe ich schon vor Monaten gemacht“, die Anderen. Tatsächlich schwirrt der Gedanke schon eine in meinem Kopf umher. Hier nur ein paar Gründe, warum Facebook in letzter Zeit unattraktiv für mich geworden ist:

  1. viele Neuigkeiten meiner sogenannten „Freunde“, interessieren mich eigentlich gar nicht
  2. es gibt keine zuverlässige Möglichkeit lustige Tierfotos und Failvideos zu sperren
  3. die Ungewissheit, ob ich auch in ferner Zukunft noch an diese Daten rankommen werde
  4. das ständige Datenschutz-Theater und die Sorge, was Facebook vielleicht in 3-4 Jahren mit all diesen Daten anstellen könnte.

Meine Freunde bei Facebook

Ich erinnere mich noch gut daran, wie ich damals von StudiVZ bzw. MeinVZ zum großen, amerikanische Vorbild wechselte. Mit einer Hand voll Freunden, die ebenfalls als Early Adopter Facebook für sich entdeckten, lebte es sich ganz gut. Die Neuigkeiten plätscherten eher so herein als dass sie wasserfallartig meine Timeline herunterstürzten.

Nach und nach wechselten immer mehr Leute von den VZ-Netzwerken zu Facebook und aus Gewohnheit bestätigte ich wieder die Freundschaftsanfragen, derer, mit denen ich schon auf MeinVZ nichts mehr zu tun hatte. Deswegen besteht meine Freundesliste auch aus vielen „Leuten“ mit denen ich irgendwann mal zusammen zur Schule gegangen bin und nur ein paar Leuten, die ich erst in den letzten Monaten oder Jahren kennengelernt habe. Was ungewöhnlich ist: Meine richtigen Freunde sind zwar bei Facebook angemeldet, nutzen es aber eigentlich nicht. Vielleicht ein Wink mit dem Zaunpfahl?

Die FAIL- und FUN-Überflutung

Irgendwann in diesem (oder war es bereits im letzten?) Jahr sind Witze-Fanpages wie Pilze aus dem Boden geschossen. Und mit Ihnen die gnadenlose Nutzung des Teilen-Buttons. Jedes noch so unlustige Video oder Bild muss mit dem Freundeskreis geteilt werden, angefeuert von Sprüchen wie „Ich bin mir sicher, dass dieser kleine Welpe keine 10.000 Likes auf Facebook bekommt“.

Ich würde also auch sagen, dass Facebook ein Stück weit unpersönlicher geworden ist. Statt Antworten auf die Frage „Was machst du gerade?“, wurde Facebook eher zu einem „Meinst du nicht, dass das Video was du gerade gesehen hast, auch deine Kumpels lustig finden?“. Klar, dass dann wirklich wichtige Neuigkeiten gar nicht mehr richtig bei Facebook zu sehen sind oder erst Tage später auftauchen, weil der Post entsprechend viele Likes und Kommentare bekommen hat.

Heutige Erinnerungen sind digital

Als Facebook den Location Based Service Gowalla aufkaufte, begann ich das erste Mal, mir Gedanken zu machen, was eigentlich aus meinen über die Monate gesammelten Daten wird. Nur ein Quartal nach Übernahme machte Gowalla dicht, der Dienst war Geschichte. Als vor ein paar Monaten Facebook auch noch Instagram kaufte, befürchtete ich schon das Schlimmste. Doch bisher läuft Instagram wie gewohnt weiter (wenn man mal von den Datenschutzskandalen der letzten Wochen absieht). Die Frage ist nur, wie lange noch?

Ist es nicht etwas leichtsinnig oder sogar dumm, seine schönsten Erinnerungen in die Hände eines werbefinanzierten Unternehmens zu legen?

Ich will damit nicht behaupten, dass es in 5 Jahren kein Facebook mehr gibt. Auch glaube ich nicht, dass Facebook irgendwann ein Schloss vor die persönlichen Daten hängt und den Nutzer zum Bezahlen auffordert. Aber wenn mir die Beispiele Gowalla und Instagram eines gezeigt haben, dann, dass man zu bequem ist, die Daten irgendwo in ein anderes Netzwerk einzuspielen. Sie sind dann einfach verloren. Sollten also in 5 Jahren alle nur noch auf Google+ abhängen und Facebook tritt in die Fußstapfen von Myspace, dann sind auf einen Schlag ein paar schöne Erinnerungen fort.

Dabei gibt es so viele Möglichkeiten, wieder Herr über die eigenen Daten zu werden. Die wohl einfachste und zugleich öffentlichste ist ein Blog. Deswegen habe ich vor einiger Zeit damit begonnen, meine Daten, die ich in die unterschiedlichen Netzwerke schicke, wieder hier im Blog zu aggregieren (s. Fotos und Bookmarks). Das Gleiche habe ich irgendwann auch noch mal mit den Geo-Koordinaten vor, um mir eine schöne Weltkarte mit Orten, an denen ich war, zu basteln.

Meine Entscheidung: Goodbye Facebook!

Pünktlich zum Jahresende werde ich mich aus Facebook zurückziehen, Cookies und die Freigaben diverser Apps löschen. Wer mich weiterhin kontaktieren will, kann dies per Mail,  bei Twitter und über Google+ tun. Wie sieht es bei euch aus? Wie nutzt Ihr Facebook und andere Soziale Netzwerke? Habt Ihr auch schon darüber nachgedacht, dem großen Blauen den Rücken zu kehren?

Ich bin Steuermann bei Erdmann & Freunde, einem Netzwerk für Contao-Webworker, und schreibe hier über Themen aus dem Bereich Webdesign und Webentwicklung.

4 Kommentare

  1. Sarah sagt:

    Hey Dennis. Dein Blog ist sehr interessant.
    Ich habe auch schon mit dem Gedanken gespielt, mich von Facebook ganz zurückzuziehen. Ganz geschafft habe ich es noch nicht.
    Ich habe neulich mal mein Geburtsdatum komplett herausgenommen, um zu sehen, wer mir auch OHNE Facebook gratuliert. Naja, kannst dir ja denken, was passiert ist…

    Man denkt, man verpasst viel, aber eigentlich steht, so wie du schon sagst, nur Mist bei Facebook.

    LG auch an Nicole und einen „Knuffer“ an Moe
    Sarah

  2. Robert sagt:

    Dennis,
    ich bin ziemlich überrascht, ehrlich. Jemand, der mir in den letzten zwei Jahren den Weg in soziale Netzwerke aufgezeigt hat, zieht sich nun mit Argumenten zurück, die nicht gerade neu sind.
    Dass die Inhalte auf Facebook allermeist ziemlich uninteressant sind, ist ja nichts Neues.
    So ganz werde ich nicht schlau aus deinem Entschluss zumal du ja auch beruflich weiter mit FB zu tun haben wirst…

    Herzlich
    Q

  3. Andre Leisner sagt:

    Stimmt schon, das facebook unpersönlicher geworden ist. Aber wie mit allen anderen Dingen wird versucht, den größten Nutzen daraus zu ziehen. Kaum eine Person die im Internet unterwegs ist, kann sich sicher sein, dass seine Daten nicht irgendwo mitgeschnitten werden. Der Mensch wird gläsern, ob wir es wollen oder nicht! Wenn man da nicht mitspielen möchte, muss man frühzeitig aussteigen, da gebe ich Dir Recht. Aber für die meisten Firmen führt fast kein Weg mehr dran vorbei. Virales Marketing, als Aufhänger. Ich bin selbst gespannt, wie sich die beiden großen Blasen entwickeln werden! Beste Grüße aus Nachbarschaft!

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