Scrollen oder klicken?

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Es gibt viele Theorien und Mythen, die sich um das Benutzerverhalten ranken. Eine davon: Niemand scrollt auf Websites, deswegen ist es wichtig alle wichtigen Elemente im sichtbaren Bereich unterzubringen. Gleichzeitig haben One-Pager und lange Websites mit Parallax-Effekten in den letzten Monaten einen regelrechten Boom erfahren. Werden Nutzer vielleicht durch Smartphones und Tablets dazu verleitet, mehr zu scrollen?

Als Designer muss man sich schon in der frühen Konzeptphase überlegen, wie die Seitenstruktur auszusehen hat. Welche Inhalte kombiniere ich auf einer Seite und für welche Inhalte schaffe ich  eigene Unterseiten? Oder anders formuliert: Wo soll der Nutzer scrollen und wo lasse ich ihn klicken?

Eben diese Frage musste ich mir kürzlich stellen, als ich die ersten Crewmitglieder von Erdmann & Freunde einpflegen wollte. Ich hätte ohne Probleme eine eigene Unterseite für das Team schaffen können, doch ich entschied mich für’s Scrollen. Die These „Niemand scrollt auf Webseiten“ dürfte spätestens seit dem Artikel von Marc Hinse widerlegt sein und tatsächlich fällt es Nutzern auf Touchgeräten nun noch leichter auf einer Website zu scrollen. Das Team von E&F auf der gleichen Seite darzustellen hatte aber auch noch einen anderen Grund:

Scrollen bedeutet weitermachen, klicken ist eine Entscheidung

Während ich also beispielsweise einen Blogartikel lese und ganz unterbewusst scrolle, um weiterzulesen, ist der Klick oder Tap auf einen Link eine bewusste Entscheidung. Das hört sich zunächst nach einem kleinen Unterschied an, aber bei den vielen Entscheidungen, die wir beim Besuch einer Website treffen müssen, können auch solche kleinen Entscheidungen ins Gewicht fallen. Warum also den Nutzer müde machen, wenn wir ihm die Entscheidung doch so leicht abnehmen können?

Wer jetzt denkt „Müde machen? Das ist doch Bullshit“, den erinnere ich gerne an die Aufmachung von längeren Nachrichtentexten auf Zeit.de oder Sueddeutsche.de. Da bist du gerade voll in den Text vertieft und plötzlich endet dieser. Unten rechts der Links „Seite 2“. Eigentlich willst du nur lesen und scrollen, aber aus den unterschiedlichsten Gründen (die ich hier nicht näher erläutern will), zerstückeln die Zeitungen einen Text lieber in 2, 3 oder gar 4 Teile.

Websites werden immer ein nichtlineares Medium bleiben, und das ist auch gut so. In Zukunft werde ich jedoch mehr darauf achten, ob ich dem Nutzer nur zusätzliche Informationen anbieten will, oder ob ich von ihm eine möchte, dass er eine Entscheidung trifft. Unter Umständen kann ich ihm diese Informationen auch einfach dadurch anbieten, indem ich ihn ein wenig scrollen lasse.

Ich bin mir sicher, dass das Thema Scrollen oder Klicken eine Menge Diskussionspotenzial bietet und würde mich freuen, wenn ihr eure Meinung in den Kommentaren postet.

Ich bin Steuermann bei Erdmann & Freunde, einem Netzwerk für Contao-Webworker, und schreibe hier über Themen aus dem Bereich Webdesign und Webentwicklung.

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