Sind Frameworks wie Bootstrap noch zeitgemäß?

Als ich neulich beim Contao Nord Stammtisch meinen Vortrag über das Contao Bootstrap Theme hielt, kam eine interessante Frage auf:

Sollte man Frameworks wie Bootstrap eigentlich noch verwenden?

Gemeint war damit die Tatsache, dass viele Seiten, die mit Bootstrap arbeiten, auf den ersten Blick als solche erkennbar sind durch die immer gleiche Navigation, die gleichen Buttons und womöglich sogar das gleiche Raster.

Tatsächlich sehe auch ich die Entwicklung der letzten Monate mit gemischten Gefühlen. Einerseits machen Frameworks wie Bootstrap es einem sehr einfach, mit wenigen Klicks eine grundsätzlich ansehnliche und funktionale Website zu erstellen. Für kleinere Projekte (oder kleinere Webdesigner) reicht dies ja unter Umständen sogar. Da macht man sich vielleicht auch weniger Gedanken darüber, dass die CSS- und JS-Dateien mit ein paar mehr Anweisungen daherkommen, als die Website in Wirklichkeit benötigt.

Geht es allerdings darum , einerseits den Kunden/das Projekt optimal zu präsentieren und andererseits auch dem Seitenbesucher das optimale Nutzererlebnis zu bieten, dann sollten Frameworks wie Bootstrap allenfalls die Basis sein. Das wird auch deutlich, wenn man sich die Entstehungsgeschichte von (Twitter) Bootstrap einmal genauer ansieht. In den ersten Jahren von Twitter hatten viele Entwickler ihre eigenen Stile und Javascript-Snippets entwickelt. Hinzu kam, dass jeder Entwickler seine eigene Art hatte, CSS und JS zu schreiben. Erst mit der Entwicklung von Twitter Bootstrap verständigten sich die Entwickler auf eine einheitliche Schreibweise. Bootstrap gehörte sozusagen ein Stück weit zum Styleguide von Twitter.

Und genau so sehe ich Bootstrap auch für unsere Projekte bei SOLADES. Wir nutzen das Bootstrap-Framework nicht nur, um schnell mal ein paar Prototypen zu testen, sondern verwenden es auch aktiv für die Realisierung von Kundenwebsites. Die Struktur von Bootstrap hilft uns dabei, ebenso strukturiert auch in Projekten zu denken und zu arbeiten. Und durch die Anpassung von Variablen und Mixins lässt sich das Erscheinungsbild komplett individualisieren, ohne dabei von Null anfangen zu müssen. Das macht sich auch im späteren Bugfixing für die unterschiedlichen Browser und Geräteklassen deutlich bemerkbar.

Um auf die eingangs gestellte Frage zurückzukommen: Ja, ich halte Frameworks wie Bootstrap, Pure oder UIkit nach wie vor für zeitgemäß. Sie sind wie die Bodenplatten bei vielen Volkswagen-Fahrzeugen. Die Basis ist gleich, aber die Karosserie kann und sollte an bzw. für den Kunden angepasst werden. Wer sich Bootstrap ein mal näher angesehen hat, wird verstehen was ich meine. Das Framework ist mittlerweile weit mehr ist, als nur ein paar nett aussehende CSS-Klassen.

Was denkt Ihr über Frameworks wie Bootstrap? Eure Meinung könnt Ihr gerne in den Kommentaren hinterlassen.

Ich bin Steuermann bei Erdmann & Freunde, einem Netzwerk für Contao-Webworker, und schreibe hier über Themen aus dem Bereich Webdesign und Webentwicklung.

2 Kommentare

  1. Katharina sagt:

    Hallo Dennis,
    ich mag deinen Vergleich mit den Bodenplatten, denn der trifft es ziemlich gut.

    Die wichtigste Sache ist bei Bootstrap ist ja nicht das Default-Aussehen, auf dem ich mich dann ausruhen kann, sondern das Grid. Alles andere ist für mich erst einmal zweitrangig und/oder wird sowieso verändert bzw. aus der CSS-Datei gelöscht, wenn ich die Klassen nicht benötige.

    Meiner Wahrnehmung nach rümpfen eine Menge Leute die Nase, wenn sie Frameworks hören und sehen scheinen es als Zeichen von Unprofessionalität zu sehen, Bootstrap, Foundation etc zu verwenden. Umso mehr freut es mich, dass du eine Lanze dafür brichst!

    LG Katharina

  2. David Hellmann sagt:

    Wenn ich schon mal am kommentieren bin 😀
    Ich finde Frameworks haben sicher ihren nutzen und machen auch für gewisse Sachen sinn. Aber oft steht man sich damit auch im weg. Man nutzt immer das gleiche Grid und immer die gleichen Komponenten… Ich weiß nicht, für mich hat das doch immer den Beigeschmack von „ist doch alles gleich“.

    Und auch hier kommt wieder das Problem das ich bisher oft Probleme gesehen habe die meiner Meinung nach ohne Framework nicht aufgekommen wären.

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