Warum die FAZ iPad App doch gar nicht so übel ist

Vor nicht einmal 2 Wochen hat die Frankfurter Allgemeine Zeitung Ihre iPad App vorgestellt und bewirbt diese nun kräftig in der Printausgabe. Doch liest man sich die Kritiken zur iPad-Umsetzung durch, kommt die App der FAZ nicht gerade gut bei weg. Die 1- Stern-Bewertungen sind vernichtend und in den Kommentaren machen sich enttäuschte Nutzer Luft.

Das haben sich die Macher der FAZ-App sicherlich anders vorgestellt. Die Anforderungen an die App lassen sich, auch wenn ich selbst nicht dabei gewesen bin, wohl sehr gut umreißen: Die App sollte den gesamten Inhalt der Printausgabe bestmöglich darstellen und in der täglichen Übersetzung ins iPad-Format möglichst wenig Aufwand bedeuten. Herausgekommen ist eine App, die genau das tut. Sie zeigt die neueste Ausgabe und rückwirkend die Ausgaben der letzte Woche der FAZ. Job also erfüllt. Als Bonusfunktion bietet die FAZ iPad Version sogar noch die Möglichkeit eigene Themenmonitore anzulegen, was in etwa mit einer Suchfunktion nach bestimmten Begriffen in der Ausgabe zu vergleichen ist.

Doch was genau reicht den Benutzern an dieser App nicht?

In den Kommentaren liest man immer häufiger, dass die FAZ-App die Funktionen des iPads nicht ausreichend ausnutzen würde. Gemeint ist damit in den meisten Fällen wohl, dass die FAZ-App wenig Interaktionsmöglichkeiten bietet. Kein Twitter, kein Facebook also keine Möglichkeit der Welt zu zeigen, was man sich gerade durchliest. Auch Videos und echte Links wird man in der iPad App schmerzlich vermissen, schließlich gibt es die ja in der gedruckten Zeitung auch nicht. Und auch die Möglichkeit Texte zu markieren und zu kopieren fehlt bislang. Dafür gibt es immerhin einen Merkzettel, auf dem die markierten Artikel gespeichert werden.

Hinzu kommt, dass die FAZ App fürs iPad keinesfalls selbsterklärend ist. So habe ich erst nach ein bisschen ausprobieren verstanden, dass die App nicht nur eine PDF-Ansicht der FAZ bietet, in die man beliebig reinzoomen kann, aber so wohl niemand gerne tun würde, sondern es gibt noch eine iPad-optimierte Textversion des Artikels. Auch andere Punkte wie z.B. die Ressortauswahl lassen vermuten, dass hier noch nicht das letzte Wort gesprochen wurde, denn die Verschachtelung wirkt etwas unübersichtlich.

Und warum ist nun die FAZ iPad App gar nicht so übel?

Jeder, der sich die iPad App der WELT einmal genauer anschaut, meint auf den ersten Blick genau zu wissen, was der Axel Springer Verlag richtig gemacht hat und was man bei der FAZ vermisst. Das Layout der Zeitungsapp wurde extra auf das iPad optimiert und auch die Inhalte orientieren sich wesentlich stärker an den Möglichkeiten des mobilen Internets. Twitter und Facebook sind integriert und auch Videos lassen sich bequem in der App abspielen. Zusätzliche Interaktion bietet zum Beispiel das Sudoku-Rätsel was sich durch Fingerdruck lösen lässt, inkl. Tipps und Korrekturvorschlägen.

Und doch darf man das Ziel, was die FAZ bei der Erstellung der iPad hatte dabei nicht vergessen. Schaut man sich die Website der FAZ an, die übrigens dringend mal einen Redesign unterzogen werden sollte, dann stellt man bereits fest, dass es hier bisher hauptsächlich darum geht die Printinhalte auch ins Web zu portieren. Nur langsam wird die Webabteilung ausgebaut und Bilderserien bzw. Videos finden in den Online-Artikeln ihren Platz. Da wäre es schon sehr ungewöhnlich gewesen, wenn die Webabteilung nun auch noch für die iPad App zuarbeiten würde.

Ich denke für all diejenigen, die bisher das E-Paper der FAZ abonniert hatten wird die App ein Segen sein. Für all diejenigen aber, die bereits Apps wie die WELT HD App oder die der NY Times kennengelernt haben wird die FAZ App wohl eine Enttäuschung sein und die Frankfurter Allgemeine Zeitung hoffentlich dazu bewegen, die App ein wenig zeitgemäßer zu gestalten. Ich bin derzeit noch am überlegen, ob ich mir die Zeitung auch nach der kostenlosen Probephase noch holen werde. Würde die FAZ auch die Sonntagsausgabe in der App zum Kauf anbieten, wäre die Entscheidung wahrscheinlich schon gefallen, doch genau diese Ausgabe wird dem FAZ-Leser leider vorenthalten. Die WELT HD App sieht zwar ganz nett aus, bietet mir allerdings inhaltlich nicht genug, da mir die Artikel nicht genug in die Tiefe gehen.

Ich bin Steuermann bei Erdmann & Freunde, einem Netzwerk für Contao-Webworker, und schreibe hier über Themen aus dem Bereich Webdesign und Webentwicklung.

2 Kommentare

  1. Michael Lettner says:

    Die FAZ-App für das IPad belegt, dass die Redakteure und Medienprofis des Verlages den Trend der Zeit nicht verkannt haben. Sie machen sich durch optimierte Inhalte, eine findige Umsetzung von Zoom- und Lesefunktionen und einem ansprechenden Layouting den aktuellen Stand der multimedialen Technik zu Nutze.
    Bedauerlicherweise überwiegen neben allerlei technischen Raffinessen Wehmut und Bedauern, fehlt es letztendlich an der optimalen Umsetzung.

    So versucht der aktive und zumeist Iphone-erprobte Leser vergebens, durch gewohnt langes „Gedrückthalten“ mit dem Zeigefinger einen Textausschnitt zu markieren und damit kopieren, zu speichern oder auch z.B. per E-Mail versenden zu können.

    Zweifelsohne ist es die Minderheit der Apple-Erstnutzer, die selbige Funktionen nicht erwarten und wie grundsätzlich nahezu Alle IPad-Besitzer einfach begeistert sind.

    Eingangs geschilderte interessante Funktionen sind der „Merkzettel“, auf dem sich ausgewählte Artikel auf unbestimmte Zeit speichern lassen, oder der „Themenmonitor“, mit dem sich nutzerspezifische Präferenzthemen in der jeweiligen Ausgabe vorab auswählen und gesondert einsehen lassen.
    Es überrascht, dass lediglich 80 Artikel dauerhaft gespeichert werden können und die Konfiguration des Themenmonitors unangenehm aufwändig ist.

    Durch das kostenfrei Probelesen verschiedener aktueller Ausgaben kann man sich einen ersten Eindruck „er“-lesen und die Applikation testen. Das gegenüber dem gedruckten Abonnement preislich günstigere und zur Verwendung des FAZ-App notwendige e-paper-Abonnement birgt eine weitere unerwartete Facette, dass sich stets nur 20 Ausgaben der FAZ speichern lassen; es wirkt ein wenig, als sei dies der Tribut gegenüber dem Printmedium Zeitung.

    Als Fazit halte ich fest, dass die Köpfe des Verlages unter Berücksichtigung der in vielen Foren nahezu einstimmigen Verbesserungsvorschläge ihre iPad-Applikation verbessern und weitere Kunden gewinnen können.
    Im Zeitalter der globalen Vernetzung ist es nicht nur für den Reisenden eine angenehme Tatsache, stets aktuell seine Tageszeitung griffbereit zu haben.
    Der Grundstein ist gelegt, das IPad ist Investor für die Zukunft. ML.

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