Pauschalpreise im Webdesign

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Erinnert ihr euch noch, als ich vor ein paar Wochen den SOLADES Time Tracker vorgestellt habe? Und von der tollen Möglichkeit schrieb, dass wir nun eine Möglichkeit gefunden haben, Projekte genauer abzurechnen und zukünftige Projekte besser kalkulieren zu können?

Nun, vergesst (fast) alles, was ich zu dem Thema schrieb. Alles Unsinn. Denn die traurige Wahrheit ist:

„Webprojekte werden sich NIE so genau kalkulieren lassen, dass nicht einer draufzahlt“

Rückblick

Die letzten Wochen war ich vor allen Dingen damit beschäftigt SOLADES auf einen möglichst profitablen Kurs zu bringen. Der Time Tracker sollte es möglich machen:

  1. Blick ins Angebot
  2. Blick in den Time Tracker
  3. Ärgern
  4. Drängeln, dass das Projekt fertig werden muss.
  5. Irgendwo anders versuchen, Zeit einzusparen

Kreativbranche != Industriebranche

Das das nicht funktionieren kann, ist mir erst jetzt klar geworden. Denn Kreativität lässt sich nicht mach nach Stunden abrechnen. Es gibt Tage, da hat man die entscheidende Idee innerhalb weniger Minuten und es passt einfach alles – an anderen Tagen hingegen verbringt man Stunden damit, überhaupt auf eine Idee zu kommen.

Aber auch wenn wir mal von dem kreativen Teil in der Konzeption und Gestaltung weggehen, gibt es in der Umsetzung oder Programmierung Zeiten, die sich nur schwer kalkulieren lassen. Webprojekte entwickeln sich (bei uns) nicht selten in der Umsetzungsphase weiter. Neue Ideen und neue Module, die die Benutzerfreundlichkeit verbessern, werden programmiert oder Konzepte noch mal überdacht, weil sie sich in der Praxis nicht bewährt haben. Doch wie will man solche Zeiten dem Kunden in Rechnung stellen? Bisher gar nicht!

Auch wenn wir seit dem letzten Update des Time Tracker nun Stunden als „Einarbeitungszeit“ bzw. „nicht abrechenbar“ deklarieren können, können uns diese Stunden nur als Anhaltspunkt dienen, wie viele Stunden wir insgesamt für ein Projekt einplanen müssen, also wie lange und das Projekt mindestens beanspruchen wird.

Der einzige Grund, warum wir dennoch Pauschalpreise machen, ist der Wunsch nach Vergleichbarkeit von Kundenseite. Dass der Kunde auch nach Erhalt des Angebots gar nicht weiß, was er da für sein Geld bekommt, das steht erst mal auf einem anderen Zettel.

Einer zahlt aber immer drauf. Entweder die Agentur, dessen eigener Anspruch so hoch ist, dass sie das Webprojekt auch dann fertigstellt, wenn Sie den Aufwand nicht bezahlt bekommt oder der Kunde, der den nicht benötigten „Puffer für alle Eventualitäten“ zahlen muss.

Die einzig vernünftige Lösung sehe ich momentan in der gemeinsamen Angebotserstellung. In einem steten Austausch wird zunächst der Umfang bestimmt und daraufhin eine Einschätzung der anzusetzenden Mitarbeiter und Stunden. Sollte es dann doch länger als zuvor geschätzt dauern, lässt sich (hoffentlich) der Aufwand nachkalkulieren und abrechnen. Umgekehrt sollten Kunden aber auch davon profitieren, dass Tätigkeiten schneller als erwartet umgesetzt werden konnten.

Das klingt jetzt alles ein wenig nach Märchen, aber ich bin mir sicher, dass dieses Konzept funktionieren könnte. Vielleicht wird dies aber bereits Tag für Tag von anderen Agenturen umgesetzt und ich, mit meiner SOLADES-Brille sehe es nicht. Deswegen würde ich mich freuen, wenn ihr eure Erfahrungen und Meinungen in den Kommentaren oder per Mail schildern würdet.

Ich bin Steuermann bei Erdmann & Freunde, einem Netzwerk für Contao-Webworker, und schreibe hier über Themen aus dem Bereich Webdesign und Webentwicklung.

6 Kommentare

  1. Daniel sagt:

    Hallo Dennis,

    genau so handhabe ich das auch seit einiger Zeit. Stundenbasierte Abrechnung ist für alle beteiligten das Transparenteste – Ehrlichkeit und Vertrauen vorausgesetzt.

    Fragen bleiben dabei aber immer. Du schriebst: „… an anderen Tagen hingegen verbringt man Stunden damit, überhaupt auf eine Idee zu kommen.“ Rechnest du sowas ab? Und wenn ja, wie erklärst du das dem Kunden?

    Meine Erfahrungen dazu sind eher negativ. Kunden bezahlen immer nur den sichtbaren Fortschritt und feilschen selbst dabei noch wie auf einem Basar. Kein einziger Kunde hat bisher anstandslos eine auf Stunden basierte Rechnung bezahlt, obwohl diese meist im Angebotsrahmen lag und er genau wusste, auf was er sich einließ. Dennoch bleibe ich dabei, weil ich noch weniger Lust darauf habe, unbezahlte Stunden zu investieren.

  2. Dennis sagt:

    @Daniel: Nein, so gern ich auch würde, aber das bezahlt kein Kunde bei uns.

    Bei uns ist es nicht anders – nur der sichtbare Fortschritt lässt sich abrechnen. Deswegen sind wir auch immer auf der Suche nach Möglichkeiten, um diesen Prozess sichtbar zu machen. Ein Moodboard/-book .z.B. visualisiert den Prozess und lässt sich nach der Präsentation auch abrechnen.

  3. JanB-Punkt sagt:

    Für Brainstorming könnte man ja einfach ganz ehrlich einen entsprechenden Posten ins Angebot mit reinbringen.

    Ich hab mich das damals 1x getraut und der Kunde hatte kein Problem damit.

    Ist natürlich immer schwierig zu erfassen, wie oft man bei dem und dem Projekt-Umfang einfach nur dasitzt und sich das Hirn zermatert, aber evtl. könnt ihr da auf Erfahrungswerte zurückgreifen?!

    Nur so als ganz komische Idee 😀

  4. Dennis sagt:

    @ JanB-Punkt: Wenn du es schaffst, genau vorherzusagen, wie lange dein Brainstorming dauert. Aber da sind wir wieder bei dem Problem: Ein Kreativprozess lässt sich schwer in Stunden abschätzen. Auch wenn man sich selbst sagt „5 Stunden haben wir dafür Zeit“ heißt das nicht, dass man in 5 Stunden auch was Gescheites zu Stande bringt :-)

  5. Daniel sagt:

    Die Idee mit dem Brainstorming ist nicht schlecht. In ähnlicher Form habe ich das auch schon gemacht und „Recherche und Ideenfindung“ genannt. Allerdings schreibe ich dafür auch nur 1-2h auf, weil man vorm Kunden sonst in arge Erklärungsnot kommt. So nach dem Motto: „Was haben Sie in dieser Zeit denn eigentlich gemacht?!?“ Der tatsächliche zeitliche Aufwand ist fast immer höher.

    Danke Dennis für die Idee mit dem Moodboard. Das kannte ich noch nicht. Gibt’s da ’ne Software für?

  6. Ralf sagt:

    Hallo Dennis,

    prinzipiell hast du natürlich Recht ! – Kreativität und ein kreativer Prozess lässt sich nicht auf Heller und Cent ausrechnen und kalkulieren. Allerdings habe ich in den vergangenen 15 Jahren auch die Kehrseite der Branche erlebt. Gierige Agenturen und Grafiker die wohl eher untalentiert sind ( Papi hat das Studium finanziert ) aber dafür tolle Rechnungen schreiben können sind gar nicht so selten wie man denkt. Ich habe viele Firmen erlebt, welche gerne mit einem Kreativen zusammenarbeiten würden, sich jedoch davor fürchten einen Blankoscheck auszustellen. Merke: Das Ende eines kreativen Prozesses ist für einen Unternehmer ohne einen Pauschalpreis immer ungewiss und ein nicht unerhebliches Kostenrisiko ! Man weiss nie, was man kriegt 😉

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