Warum Webdesigner coden können sollten

Wisst ihr noch früher, als es beim „Webdesign“ noch eine strikte Trennung von Gestaltung und Programmierung gab? Einem Programmierer die Auswahl über Farben, Formen und Abstände der Webseite zu überlassen war ebenso fatal wie einem Kollegen aus der Grafik eine Webseite mit dem WYSIWYG-Editor von Dreamweaver erstellen zu lassen.

Ja, früher wäre es undenkbar gewesen, dass sich ein menschliches Wesen irgendwo zwischen den Welten bewegt. Doch Zeiten ändern sich. Programme werden besser, spucken besseren Code aus und auch die Gestaltung wird durch Toolkits wie Twitters Bootstrap um ein vielfaches erleichtert. Und doch gibt es immernoch Screendesigner, die sich der Programmierung, dem Coden verschließen. Vielleicht zurecht?

Denn mit der Zeit wurde auch der Aufgabenbereich des Screendesigners immer größer. User Experience Designer, User Interface Designer, da blickt doch heute keiner mehr durch. Längst zählt bei einer Webseite nicht nur das aussehen, sondern eben auch das, was man nicht auf den ersten Blick sieht.

Wie fühlt sich die Webseite an? Reagiert sie so, wie ich es erwartet habe?

sind mittlerweile Fragen, die ein Webdesigner sich bei der Erstellung des Layouts stellen muss. Nicht zu vergessen die Frage nach der bestmöglichen Konversion und einem möglichst starken Brandung Effekt, damit der Besucher die Webseite auch ja nicht mehr so schnell vergisst. Es gibt also genug Gründe, warum sich Webdesigner nicht auch noch das Coden beibringen müssten, oder?

Wer jetzt bisher kopfnickend da saß, sollte jetzt vielleicht nicht weiterlesen und die letzten Tage seines Webdesigner-Daseins genießen. Denn die Wahrheit ist, die Überschrift ließ es ja bereits erahnen, dass natürlich heutzutage ein Webdesigner nicht mehr drumherum kommt, zumindest die Grundkenntnisse des Codens zu beherrschen. Bereits jetzt bestand für Screendesigner die Herausforderung über den Tellerrand des Offensichtlichen zu schauen:

  • Wie sieht der Hover-Status eines Menüpunktes aus?
  • Wie funktioniert ein Slider auf der Startseite?
  • Was passiert, wenn im Formular ein Pflichtfeld nicht ausgefüllt wird?
  • Wie sieht ein Hinweistext aus, wenn ein Produkt dem Warenkorb hinzugefügt wird?

Klassische Fälle, über die sich ein Printdesigner bei Erstellung eines Layouts keine Gedanken gemacht hätte. Doch wir reden ja nicht von Printlern, sondern von den heutigen Webdesignern. Die Meisten von Ihnen kriegen das noch hin. Aber was ist mit den kleinen CSS3- und Javascript-Helfern des Alltags, die eine Webseite erst so richtig gut bedienbar machen? Und damit meine ich nicht die lustige 180-Grad-Drehanimation eines Bildes, wenn ich mit der Maus drüberhovere. Vielmehr sowas wie nützliche Tooltips, wenn ich ein Formular ausfülle, neue Bedienelemente wie Slider, um Von-Bis-Filter für Preise einstellen zu können oder  Elemente, die bei Klick oder Hover eingeblendet, jedoch dynamisch nachgeladen werden, um die Webseite nicht unnötig größer als nötig zu machen? Spätestens dann, reicht es nicht mehr, nur zu wissen, wie eine Funktion aussieht, sondern man muss auch wissen wie sie funktioniert und testen, ob sie für die gewünschte Funktion überhaupt zu gebrauchen ist.

Nur wenn ein Webdesigner auch coden kann, kennt er die Vor- und Nachteile von neuen Bedienelementen und weiß, wie er dem Webentwickler mit nur minimalen Änderungen eine Menge zusätzlichen Aufwand ersparen kann. Auch hat er dann die Möglichkeit, abwägen zu können, ob eben jenes Detail, was er sich ausgedacht hat, einen Mehraufwand von mehreren Stunden rechtfertigt.

Moment mal … da redest du die ganze Zeit davon, dass Webdesigner auch coden können sollen und dann macht die Umsetzung doch der Webentwickler?

Ganz richtig. Nur weil es der Webdesigner kann, heißt das noch lange nicht, dass er nun dem Webentwickler die Arbeit wegnehmen soll. Er soll lediglich ein größeres Verständnis für die hinter der Webseite stehende Technik mitbringen. Doch damit es effizient bleibt, wird der Webentwickler sich nach wie vor um die Umsetzung kümmern können.

Lange Rede, kurzer Sinn: Um mit dem heutigen Stand der Technik mithalten zu können, müssen Webdesigner sich immer wieder neu erfinden. Lag lange Zeit der Fokus besonders auf der Gestaltung unter Einhaltung von Browserbreiten und sichtbaren Bereichen, muss der Webdesigner von heute sich auch mit der Technik und der Bedienung von Webseiten auskennen.

Wie seht Ihr das? Wieviel Programmierung soll ein Webdesigner/Screendesigner beherrschen?

Ich bin Steuermann bei Erdmann & Freunde, einem Netzwerk für Contao-Webworker, und schreibe hier über Themen aus dem Bereich Webdesign und Webentwicklung.

3 Kommentare

  1. Steffen sagt:

    Die strikte Trennung hat doch noch nie wirklich geklappt oder? Derjenige, der sich um das Layout der Seite kümmert, muss alles beherrschen, was im CMS zur „Display-Logik“ gehört. Er muss also nicht unbedingt den Kalender programmieren, aber mit allem umgehen können, was der Kalender ausgibt. Dazu gehören HTML, CSS und zumindest ein wenig JavaScript (eher mehr) und Grundfähigkeiten in der Programmiersprache des CMS.

    Wenn er das nicht kann, dann muss er sich darauf beschränken (am Beispiel Deiner Seite hier) zu sagen: Hintergrund pink, unten ein dunkles grau und Schriftart XY…

  2. Dennis sagt:

    @Steffen: Stimme dir vollkommen zu. Und doch ist es gerade in größeren Agenturen so, dass die Aufgaben sehr strikt getrennt werden. Würde mich ja mal interessieren, ob da auch vor allen Dingen wieder der Effizienz-Gedanke im Raum stand und sich so beide Seiten, Gestalter und Programmierer, in eine Sackgasse bewegten.

    Zu deinem Beispiel: Magst du meine Farbwahl etwa nicht? 😉

  3. Daniela sagt:

    Ich mach derweil den Text fertig :)

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