Weniger Slider auf Websites

Prototype unseres SOLADES Sliders

Gefühlte 95% aller Websites arbeiten mit Slidern auf der Startseite. Sie sollen dem Nutzer einen umfassenden Eindruck vermitteln oder auf Angebote hinweisen. Der wiederum ignoriert sie.

Egal ob man sie nun Slider, Carousel oder Image Rotator nennt. Sie gehören mittlerweile zum Standard-Repertoire eines jeden Webdesigners bzw. einer jeden Internetagentur. Und auch wir haben Slider in der Vergangenheit sehr häufig auf Websites verwendet und dabei nicht immer an den Internetnutzer auf dem Dorfe mit 384 kBit/s bzw. mit gedrosselter Geschwindigkeit gedacht.

Es musste erst ein Brad Frost kommen und uns mit einem Blogpost wachrütteln, dass Slider nicht nur die Ladezeit verlängern, sondern auch in den meisten Fällen total nutzlos sind. Denn die viele Nutzer interagieren mit dem Slider gar nicht so, wie wir als Designer uns das ursprünglich mal gedacht haben.

Die Idee hinter Slidern

Der ursprüngliche Gedanke für Slider war, verschiedene Einstiegspunkte für Seitenbesucher möglichst platzsparend unterzubringen. Nehmen wir z.B. den Online-Shop unseres neuen Kunden Pick Up Möbel, für den wir künftig im Bereich Conversionoptimierung tätig sein werden. Durch den Slider sollte sowohl der Nutzer, der eine Couch sucht, als auch der, der einen Wandschrank benötigt, angesprochen werden.

pick-up-moebel

Anhand dessen wird bereits deutlich, dass es bei Shops mit größerem Sortiment schwer wird, allen Produkten bzw. Nutzerinteressenten gerecht zu werden. Gut, dann beschränkt man sich eben nur auf die Highlights.

Immer häufiger wurden Slidern aber auch als Kompromiss genutzt, um unterschiedliche Meinungen und Interessen auf der Startseite zu vereinen. Zum Beispiel wenn sich Geschäftsführung, Marketing und Personaler nicht einigen konnten. Jeder wollte seinen Bereich so prominent wie möglich auf der Startseite platzieren. Um einen Streit zu vermeiden, griffen Agenturen tief in die Trickkiste und präsentierten das Allheilmittel Slider. Und auf einen Schlag waren alle glücklich. Abgesehen vom Nutzer.

Der Nutzer hat gelernt, dass der wichtige Inhalt unterhalb des Sliders beginnt.

Das Problem: Nutzer ignorieren mittlerweile Slider — ähnlich wie Banner — da sie auf vielen Seiten schlecht bedienbar sind und durch ihr „Rumgeflackere“ einfach nur stören. Man könnte fast behaupten, wenn man Inhalte vor dem Nutzer verstecken will, sollte man sie einen Slider packen.

Wann sind Slider überhaupt noch sinnvoll?

Bei uns kommen Slider in den neuesten Projekten nur noch selten zum Einsatz. Wir verwenden ihn vor allen Dingen als eine Slideshow, um ein paar Eindrücke von einer Veranstaltung, den letzten Projekten etc. zu zeigen. Sozusagen der Couch-Mode für die Bildergalerie. Wenn es allerdings darum geht, Inhalte anzuteasern und der Nutzer dabei auch noch aktiv werden soll, dann sind Slider keine Option mehr.

Wie seht Ihr das? Setzt Ihr Slider immer noch bei Webprojekten ein? Wie geht ihr mit mobilen Geräten und den langsameren Leitungen um? Eure Meinung könnt Ihr gerne in den Kommentaren hinterlassen.

Weiterführende Infos

Ich bin Steuermann bei Erdmann & Freunde, einem Netzwerk für Contao-Webworker, und schreibe hier über Themen aus dem Bereich Webdesign und Webentwicklung.

9 Kommentare

  1. Björn sagt:

    Es stimmt, dass sie zu oft und unmotiviert eingesetzt werden. Aber

    Sie sollen dem Nutzer einen umfassenden Eindruck vermitteln oder auf Angebote hinweisen. Der wiederum ignoriert sie.

    kann man nicht pauschal sagen. Und ergänzt um sinnvolle Targeting-Regeln, z.B. Suchkontext von Suchmaschinen-Referern mit entsprechenden Parametern, kann der positive Effekt noch verstärkt werden. Die Erfahrung zeigt allerdings, dass mehr als drei Themen nur noch wenig bis gar nicht mehr wahrgenommen werden.

  2. Andreas sagt:

    Ich denke, es kommt sehr stark auf das Ziel des Nutzers an. Will der Nutzer nur mal „stöbern“, bietet der Silder schon eine gute Möglichkeit. Hat er hingegen ein konkretes Ziel, wird der Slider sicherlich „übergangen“.

    Aus meiner Sicht bietet er in vielen Fällen doch noch die Möglichkeit, die (Start-)Seite nicht (mit Teasern) zu überladen, und trotzdem einen Eindruck/Überblick zu geben.

    In den meisten Fällen ist der Slider mit großen, „stimmungsvollen, emotionalen“ Bildern versehen – das wirkt noch immer. Und es spricht nichts dagegen, diesen Platz mehrfach zu nutzen und den Content auszutauschen. Das ganze sollte natürlich nicht übertrieben werden und dezent ablaufen. Auch ist es wichtig, im Slider navigieren zu können.
    Wenn Du sagst, er wird ignoriert, dann müsste der User eigentlich alle „Keyvisuals“ in diesem Stil ignorieren, egal ob slidend oder nicht.

    Studien dazu wären interessant – hast Du irgendwelche Zahlen, wenn Du sagst „..der User ignoriert“, bzw. „der Nutzer hat gerlernt, dass der wichtige Inhalt unterhalb des Sliders beginnt“? …dann lasse ich mich vielleicht überzeugen.

    Grüße, Andreas

  3. Ugo Arangino sagt:

    Habe bei einem neuen Projekt das ich mit Bootstrap angehe auch mal versucht den Carousel zu benutzen. Nach diesem Artikel lass ich es mir noch mal durch den kopf gehen.

  4. Dennis Erdmann sagt:

    @ Andreas: Gut, dass du fragst. Der zweite Link führt zu einer schwedischen Eyetracking-Studie. Auch ohne Google Translate wird deutlich, dass nicht das Motiv, sondern vielmehr die Bewegung des Sliders die Konversionsrate beeinflusst hat.

  5. piet sagt:

    Eine gut dargereichte Bilderwelt kann den Surfer durchaus beeinflussen. Ob dies positiv oder negativ wirkt, hängt immer noch von der Auswahl und Präsentation ab. Wenn diese bei den Untersuchungen nicht berücksichtigt werden, kommt man zwangsläufig auch zu falschen Ergebnissen. Wenn bei der Conversionoptimierung,die Slider schlechter abschneiden, dann doch wohl oft, weil diese einfach schlecht waren. Oder?

  6. uemit sagt:

    „Der Nutzer hat gelernt, dass der wichtige Inhalt unterhalb des Sliders beginnt.“

    Das trifft es genau.

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