Zwischen den Stühlen

Es heißt unter Webentwicklern „wenn du dich für deinen Code von vor 6 Monaten nicht schämst, dann machst du irgendetwas verkehrt“. Und auch wenn dies vielleicht ein bisschen überspitzt klingen mag, so lässt sich doch generell sagen, dass man ein halbes Jahr später auf ein Projekt mit anderen Augen blickt. Sei es, weil die Technik und damit auch man selbst sich weiter entwickelt hat, oder weil man durch Erfahrung nun anders damit umzugehen weiß.

Tatsächlich kommt gefühlt alle zwei Wochen ein neues Tool, Framework oder eine neue Technik heraus, die das Leben von Webdesignern und -entwicklern noch einfacher machen soll.  Obwohl ich einerseits dankbar für diese neuen Entwicklungen bin, sehe ich gleichzeitig immer häufiger auch den Aufwand, sich in ein weiteres System einarbeiten zu müssen. Es muss auf Praxistauglichkeit geprüft werden und dann auch noch irgendwie in den Agentur-Workflow integriert werden. Das war schon bei der Einführung von Git so, das macht sich immer noch auch in der Gestaltung von Responsive Websites bemerkbar und wäre auch bei der Einführung von beispielsweise Grunt.js zu erwarten. Aber wer auf Höhe der Zeit und damit konkurrenzfähig sein will, kann gar nicht anders, als sich in regelmäßigen Abständen mit den neuesten Entwicklungen zu beschäftigen, oder?

Da verwundert es fast, dass das Sprichwort „never touch a running system“ ebenfalls aus dem EDV-Bereich stammt. Wirtschaftlich gesehen ist es mit Sicherheit am Besten, den Workflow nicht ständig zu hinterfragen und optimieren zu wollen. Einmal eingeführt sollte man ihn verinnerlichen, bis man ihn irgendwann aus dem FF beherrscht. Mittlerweile wissen wir ja, dass jeder noch so kleine Optimierungsversuch im schlimmsten Fall in stundenlangem Bugfixing endet. Doch haben wir heute noch die Zeit einen Workflow so zu erlernen, bis wir ihn sicher beherrschen? Ich denke nicht.

Deswegen sitzen ich bei neuen Projekten immer ein wenig zwischen den Stühlen. Gerne würde ich die neuesten Techniken einsetzen, die neueste Version eines Frameworks nutzen oder neue Wege in Sachen Design beschreiten. Manchmal denke ich aber auch „PNGs in doppelter Auflösung sind völlig ausreichend“, „mit Bootstrap 2.3.2 kennen wir uns am Besten aus“ und „Flat Design ist nur ein Zwischenschritt zur nächsten großen Designrevolution“.

Ich bin Steuermann bei Erdmann & Freunde, einem Netzwerk für Contao-Webworker, und schreibe hier über Themen aus dem Bereich Webdesign und Webentwicklung.

2 Kommentare

  1. Ugo Arangino sagt:

    Toller Artikel!!! Du sprichst sicherlich ganz ganz vielen manisch aus dem Herze.

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